Halbwegs erholt bin ich nach kurzem Zwischenstop in Noukshott und St. Louis zusammen mit Peter und Mark, die ich in Noukshott wieder eingesammelt habe, in Dakar angekommen.
Der Grenzuebergang nach Senegal warf seine Schatten, durch Unterhaltungen mit anderen Reisenden und diversen Internetberichten, voraus. Rosso, die Grenzstadt auf mauretanischer Seite, erzeugt beim Aussprechen bei mir schon leichtes Schaudern. “unbedingt vermeiden”, “schlimmste Grenze in Westafrike”, “alle Wertsachen festhalten”, “Korruption pur”, “Luft anhalten und Ruhe bewahren” usw. waren die ueblichen Aeusserungen. Der Senegal River ist die natuerliche Grenze zwischen den beiden Staaten und man wird auf beiden Seiten von einer grossen Anzahl Betruegern, korrupten Beamten, bettelnden Kindern, aufdringlichen Grenzfuehren und Haendlern umringt. Angewiesen auf die Faehre oder die zahlreichen kleinen Boote zwischen den Ufern, sieht man sich, auf die Uberfahrtgelegenheit wartend, laengerfristig einem schier unertraeglichen Kampf gegen die hautnah stehende Menge ausgeliefert. Jeder versucht hier den Grenzgaenger auszunehmen so weit es nur moeglich ist und man bezahlt utopische Summen fuer jeden Dienstleister auf dem Weg, vom Einweiser auf der Faehre, ueber die Schrankenverantwortlichen bis hin zum Militaer und der Polizei. Wer hier halbwegs schnell durch will, zahlt. Schlimmer noch, haben sich unsere Befuerchtungen verstaerkt, als wir via Email von Geoff, der bereits nach Dakar vorgefahren war, erfahren haben, dass er von einem POLIZISTEN beim Uebergang ausgeraubt worden ist. Dieser forderte mit gezogener Pistole nichts geringeres als das Motorrad. Nach einger Diskussion kam Geoff dann mit 140 abgetretenen Euro (dem gesamten Portemonaieinhalt) weiter.
Aber es gibt eine Alternative, den etwas schwer zu findenden Uebergang in Djema, etwa 100 km weiter westlich, zu erreichen ueber eine Sandpiste durch die Sumpfgebiete. Uns war klar dass wir die Piste finden muessen, koste es was es wolle. Dennoch muss mann zunaechst nach Rosso und ich kann nur sagen der vorauseilende schlechte Ruf hat sich sofort bei Ankunft in Form eines sehr unguten Gefuehls manifestiert. Beim kurzen Tankaufenthalt waren wir bereits von einer ungeduldigen Menge umgeben, alle starrten unsere Motoraeder und Geldboersen an, man versuchte uns einzureden Djema waere nicht erreichbar, die Strasse zu schlecht, oder man wollte uns in die falsche Richtung fuehren (Dank GPS aber keine Chance), oder Versicherungen verkaufen unter der Warnung, dass man das in Djema nicht koenne (Unsinn) und wir die 100km nach Rosso zurueckkommen muessten usw. . Auch Mark der sonst immer seinen Helm absetzt um zu rauchen, liess den Helm auf und mir war klar, dass auch er die negative Stimmung hier wahrnahm. Nunja, ums kurz zu machen, wir haben die Sandpiste gefunden und wurden mit einer wunderschoenen Strasse durch die Sumpf- und Seenlandschaften des Senegal Flusses belohnt. Der Uebergang in Djema war zwar von einigen dubiosen Gelduebergaben gepraegt, verlief aber schnell und recht erholsam. Nach 80, in kleinen Summen an vielen Stellen des Uebergangs, losgewordenen Euro waren wir durch und haette sich Peter nicht irgendwo einen Nagel eingefahren und ploetzlich mit plattem Hinterreifen dagestanden, waeren wir sogar im Hellen in St. Louis angekommen.
Dennoch ist zu sagen, dass sich die Prognose, je weiter man in den Sueden kommt, je groesser wird die Korruption, zu bestaetigen scheint. Auf unserem Weg von Noukshott nach St. Louis haben die ersten Polizisten, bzw. Miliaers nach einem Cadeou (Geschenk) gefragt. Das gabs bisher nur von Kindern. Der letzte Polizeistopp wollte uns erst nach Zahlung von jeweils 1000 Oguyia (etwa 3 Euro) durchlassen, nach 10 minuetiger Diskussion (da ich immer als erster an den Stopps ankomme, krieg ich das immer alles ab) haben sie uns dann aber ohne Zahlung durchgewunken.

Baobab Baum

Baobab Baum

Senegal ist anders. Senegal ist teurer. Senegal ist Musik. Senegal ist Frauen. Senegal ist schwaerzer, vor allem aber Senegal ist gruener. Vor wenigen Tagen noch von Sand umgeben, bin ich nun in ueppiegem Gruen angekommen. Die oben erwaehnte Sandpiste durch den Sumpf war bevoelkert von allerei mir leider unbekannten Voegeln, erkennen konnte ich nur diverse Enten und Schwalben, Reiher und weisse Flamingos. Es gibt Baobab Baeume und andere Palmensorten und die Luft wird schwueler.

Ploetzlich hoert man westafrikanische Musik, nach dem fuer meine Ohren belastenden Billg-Synthie-Midi-Arab-Pop-Muell gibt es Musik die aus dem Bauch kommt, von ganz unten, die in die Beine geht, Rythmus hat. Ich schnappe von einem auf der Strasse aufgestellten Lautsprecher etwas auf und singe es fuer Stunden in meinen Helm. Ich bin froh das nach fast 4 Wochen wieder Musk in mein Leben gekommen ist und freue mich auf hoffentlich viele Neuentdeckungen.

Auf einmal gibt es Frauen, in Mauretanien kommuniziert man fast ausschliesslich mit Maennern. Frauen sind zwar da, aber im Hintergrund und meist verschleiert. Nicht nur gibt es Frauen, sie ziehen sich auch koerperbetont und aufreizend an. Was fuer ein Gegensatz. Wir sind nach wie vor in moslemischen Gebiet, aber die Auslegung ist hier spuerbar lockerer. Alkohol ist ohne Probleme erhaeltlich und Bier zu trinken scheint hier bei der Mehrheit kein Verstoss gegen die Religion darzustellen.

Schnappschuss auf der Fischerinsel in St. Louis

Auf dem Weg durchs Land faellt etwas auf, was ich auch in Mauretanien schon erstaunlich fand. Man faehrt durch aermste Doerfer, teilweise nur aus Strohhuetten bestehend und ohne ersichtlichen technischen Fortschritt, aber eine Errungenschaft praegt auffaellig das Strassenbild – das Handy. Ueberall sitzen die Leute auf der Strasse und tippen auf ihrem Handy oder telefonieren und die Logos der Anbieter praegen unuebersehbar dominant jedes Stadtbild (hier in Senegal ist es “Orange”). In jedem auch noch so kleinen Laden kann man Prepaidkarten erwerben und fliegende Haendler mit solchen Karten gibts an jeder Ecke. Dreiste Kinder fragen nicht nach dem Cadeau sondern direkt nach dem “portable” und das man mit dem Handy neben dem Telefonieren auch aktuelle Musikvideos herunterladen kann ist hier, wie uns in Terjit demonstriert wurde, ebenso wenig ein Geheimnis.

Tief eingerusst vom Diesel der Lasterkaravanen sind wir in Dakar angekommen. Die letzten 30 Kilometer vor der Stadt waren mit gutem Abstand die widerwaertigsten und stinkensten Motorradkilometer bisher. Ein nicht enden wollender Molloch aus Muell, Abgasen, slumaehnlichen Behausungen und dichtem Stau. Die Strassenraender sind voll mit Menschen, die zwischen den Autos hin- und herspringen und irgendentwas verkaufen wollen. Als mir irgendwann, in einer schwarzen Dieselwolke stehend und voellig verschwitzt und erschoepft, ein zahnloser alter Mann orthopaedische Knieschoner verkaufen wollte, wusste ich nicht mehr wie ich darauf noch reagieren soll und hab ihn nur geistesabwesend angestarrt.

Mit dem eigenen Vehikel in Dakar, dem Ziel der groessten Ralley der Welt (zunmindest bis vor kurzem noch), einzufahren, hat schon etwas erhebendes. Aber es kostet viel Kraft. Dakar ist eine heisse, laute, brummende, voellig chaotische und fuer afrikanische Verhaeltnisse recht europaeische Metropole. Als offensichtiler Tourist hat man es nicht leicht seinen Weg durch die Innenstadt zu bahnen. Eigentlich ist man permanent damit beschaeftigt, zu versuchen Leute loszuwerden die einem irgendwas verkaufen wollen, aber ich vermute das wird sich wohl in den kommenden Wochen auf meinem Weg durch Afrika kaum aendern. Ich bin jedenfalls froh wenn wir uns in den kommenden Tagen auf den Weg gen Sueden, nach Casamance, machen werden, um an den schoensten und entlegensten Straenden Senegals bei Raggae etwas zu entspannen, bevor wir unseren Weg nach Mali antreten. Wenn alles gut geht, werde ich mich kurzeitig von der Gruppe trennen, um einen Abstecher zu einem Hilfsprojekt zu machen, aber dazu im naechsten Beitrag mehr.

Bitte entschuldigt meinen etwas schnell zusammengetippten Bericht und vielen Dank fuers bis hierhin gelesen haben.

Von drei selbsternannten Guides verfolgt, habe ich mich in die nahezu unertraegliche Hitze eines Internetcafes gerettet. Meine Guides stehen jetzt draussen und sorgen dafuer, dass niemand mein Motorrad anfaesst. Nach meinen bisherigen Erfahrungen eine hier gaenzlich ueberfluessige Taetigkeit. Die Menschen hier im Inland sind so herzlich, offen und natuerlich, dass man sich hier sofort wohl fuehlt.

Ich im Adrar Gebirge

im Adrargebirge, oben auf dem Plateau in 80 km Entfernung liegt Chinguetti

Heute morgen aus Chinguetti gekommen sitze ich jetzt in Atar und werde mit einer kleinen Unterbrechung in Terjit, einer Oase in der Naehe, nach Senegal aufbrechen.
Chinguetti war das bisher herausragende Erlebnis dieser Reise. Die Strasse dorthin war bereits eine Herausforderung. Bestehend aus ca. 20 – 30 cm voneinander entfernt liegenden harten Querrillen und einer darueber liegenden Sandschicht, war die Strasse nur ab einer Geschwindigkeit von etwa 80 km/h befahrbar, dann naemlich fliegt das Motorrad fast vibrationsfrei ueber den Untergrund. Sobald man langsamer wird, etwa weil eine uneinsichtige Kurve vor einem liegt, geraet das Motorrad in die Rillen und schuettelt sich derart intensiv, dass man glaubt jeden Moment faellt die gesamte Konstruktion aus Blech und Schrauben auseinander. Der auf den Rillen liegende Sand macht die Sache auch nicht leichter, da dann zusaetzlich die gesamte Fuhre anfaengt unangenehm hin und herzuschwimmen. In der Hoffung die Strasse offenbahrt uns keine unvorhersehbaren Ueberraschungen sind wir also hochkonzentriert ueber die Piste geflogen, den Sand hinter uns aufwirbelnd und ich konnte mir das Grinsen nicht verkneifen, als mir bewusst wurde, dass ich ganau dieses Bild im Vorfeld der Reise im Kopf hatte. Hier bin ich also und fege bei 30 Grad ueber staubige Pisten der Sahara entgegen.
Peter hat sich leider bei einem ansonsten unproblematischen Sturz im tieferen Sand, die Kofferhalterung abgerissen, was seine Stimmung bei Ankunft in Chinguetti etwas getruebt hat.
Chinguetti liegt direkt am Rande der Duenen. Es gibt keinen Strom, kein Telefon und kein Benzin, die Menschen strahlen uebers ganze Gesicht und die Kinder, die uns auch hier sofort umringen, sind liebenswuerdig und trotz ihrer Neugier nicht aufdringlich. Die Strassen haben keine Namen und sind nur staubige Pfade und nach Einbruch der Dunkelheit kann man sich nur noch mit Taschenlampen in der Stadt zurechtfinden, naja wir zumindest. Die Menschen sitzen abends vor ihren Laeden, gruessen ohne gleich etwas verkaufen zu wollen und irgendwo in der Ferne hoert man trommeln und singen. Hier ist Afrika denke ich und fuehle mich bereits am ersten Abend trotz anstrengender Fahrt wohl.
Wie viele andere Stadte ist auch Chinguetti eine Art Geisterstadt. Die urspruengliche Siedlung (vor 1300) wurde vor langer Zeit von den Duenen ueberrollt und auch die aktuelle “alte Stadt” besteht zu 70% aus Ruinen. Stadt die Ruinen abzureissen oder aufzubauen, zieht man einfach in ein neues Haus daneben oder eine Strasse weiter, das scheint mit weniger Aufwand verbunden zu sein. Da es praktisch nie regnet eignen sich aber auch die dachlosen Ruinen mit einem uebergspannten Stoffdach noch hervorragend um Kind und Ziegen unterzubringen. Uerberall schichtet sich der Sand an den Waenden und die Tueren der unbewohnten Ruinen sind unpassierbar zugeweht.
Eine wichtige Stadt war es einst und es kamen hier bis zu 30000 Kamele zusammen, beladen mit Waren aus Timbuktu, dem Sueden oder Marokko. Wie die meisten anderen Handelsstadte der Sahara hat auch Chinguetti seine Bedeutung mit dem Aufkommen der Seehandels eingebuesst. 7 zum Teil erhaltene Bibliotheken zeugen auch von der akademischen Bedeutung der Stadt. Heute sind die meisten Buecher vom Verfall betroffen oder gaenzlich von Termiten zerfressen.

Abends sitzen wir im einzigen Restaurant (ein Franzose, der sich in die Stadt verliebt hat, haelt es geoeffnet) und reden mit Moma einem Senegalesen der sich hier angesiedelt hat. Zur Frage warum hier eine Strassenbeleuchtung aufgebaut ist, aber nichts leuchtet, meint er nur, die Anlage waere recht neu und zur Foerderung des Tourismus gebaut. Auch gibt es einen neuen Generator, aber es schaltet ihn keiner an. Das Licht waere auch viel zu hell und stoert nur wenn man im Sommer vor seinen Haus oder Laden schlafen will. Keiner interessiert sich wirklich dafuer. Wir laecheln und freuen uns ueber den fantastischen Sternenhimmel weit ab von jeglicher Lichtemmision.

Fuehrer mit Packkamel voraus

zu langsam fuer den Selbstausloeser

meine Spuren im Sand

Unbestrittenes Highlight war ein 2-taegiger Ausflug in die Wueste. Peter hat sich auf die Rueckreise begeben und ich habe mir zusammen mit Irshad, dem einzigen anderen Touri in der Stadt, einem Englaender pakistanischer Abstammung, einen Wuestenfuehrer und 2 Kamele geleistet. Unsere Tour war zweifelsfrei eine der unbeschreiblichsten Naturerlebnisse meines Lebens und wenn ich Irshad auf einem der naechsten Duenehuegel stehen sehe, er mich mit erstauntem Gesichtsausdruck ansieht und die Arme als Zeichen seiner Fassungslosigkeit seitlich ausgetreckt hochhebt, weiss ich, er ist genauso ueberwaeltigt wie ich. Als wuerde man durch eine Traumwelt streifen, endlos weit, sich staendig aendernd, ein Meer surrealer Formen und Farben an denen man sich einfach nicht satt sehen kann. Wir folgen in teilweise grossem Abstand unserem nur arabisch sprechenden Fuehrer und versuchen die Eindruecke in Bildern einzufangen und wissen dass es nicht gelingen kann. Es ist als wuerde man die Formen einer schoenen Frau betrachten, die neben einem nackt auf dem Bett liegt und auch hier kann ein Foto den eigentlichen Reiz des Daseins nicht im geringsten einfangen, hat Irshad sehr teffend dazu bemerkt.
Die Duenen selbst sind teilweise ueber hundert Meter hoch und als wir uns sitzend und schlitternd die Berge hinunterfallen liessen, konnte ich einen Wunsch nicht unterdruecken – “Allah gib mir ein Snowboard”. Wow waer das ein Spass aber ich hoffe instaendig, dass es nie dazu kommen wird, dass man sich Snowboards in Chinguietti ausborgen kann, auch wenn es sicher gut funktionieren wuerde und die Vorstellung mit Snowboards beladene Kamele durch die Wueste ziehen zu sehen ist schon sehr ulkig.
Unser Fuehrer war eine bewundernswerte Einheit mit seiner Umgebung. Alles passierte in Harmonie mit dem Kamel und der Duenenwelt. Unscheinbar hockt er sich hin, um sich verborgen vom weiten Umhang seiner Beduerfnisse zu entledigen, baeckt Brot im Saharasand, schreitet scheinbar gewichtslos ueber den Sand, hinterlaesst nie Spuren an den Orten unserer Pausen, betet regelmaessig zu Allah, der hier irgendwie naeher zu sein scheint, und, fuer mich besonders ungreifbar, findet die Kamele wieder. Diese naemlich werden in den Zeiten der Pausen und der Nacht zum fressen einfach frei laufengelassen. Damit sie nicht zu weit kommen werden die Vorderbeine etwas zusammengebunden, sie koennen dann zwar nicht mehr rennen, aber im Zeitraum einer Nacht kommen sie durchaus sehr weit. Vor dem Sonnenaufgang und nach dem Gebet verschwindet unser Fuehrer in irgendeine Richtung und taucht etwa 50 Minuten spaeter mit den Kamelen im Schlepptau wieder auf. Es bleibt mir ein Raetsel wie er auch nur wusste in welche Rictung er gehen sollte. Leider sind wir erbaermlich an jeglicher Art Kommunikation gescheitert, selbst Irshad, der als Moslem selbst etwas Ararbisch spricht war nicht in der Lage sich zu verstaendigen. Sehr schade, wir haetten ihn so viel fragen koennen.
Die Nach selbst war mit Ausnahme des Sternenhimmels und einer etwa 5 Sekunden sichtbaren hell erleuchteten Sternenschnuppe (lang genug um auch Irshad darauf aufmerksam zu machen, so dass auch er sie noch sehen konnte) fuer mich die Kaeltekatastrophe. Die letzten Naechte waren recht warm und ausgehend davon, das fuer Decken gesorgt sein wuerde, hatte ich nichts weiter fuer die Nacht mitgebracht. Nachdem unser Fuehrer kurz nach Einbuch der Dunkelheit unter seiner Decke und Irshad in seinem Schlafsack eingeschlafen waren, stand ich vor einer vor Kaelte halb schlaflosen Nacht. Zitternd und durchgefrohreren bis auf die Knochen lag ich die letzen 3 Stunden vor Sonnenaufgang eingewickelt in die widerwaertig stinkende Kameldecke (kleine Decke zwischen Sattel und Kanmelruecken) und habe mir nichts sehnlicher gewuenscht als die Zeit vordrehen zu koennen. Die kalte Jahreszeit hat jetzt angefangen und der Temperaturumschwung fand genau in dieser Nacht statt. Die Quittung habe ich umgehend erhalten und so sitze ich jetzt hier mit Schnupfen, Husten und traenenden Augen und fuehle mich ziemlich miserabel :( .

Daher werde ich mich in Tirjit entgegen meiner Planung etwas erholen, bis ich wieder fit bin. Die Wueste hat einen sehr tiefen Eindruck hinterlassen und es reizt mich sehr nochmals zurueckzufahren um auch Quadane und den Guelb er Richat noch zu sehen. Ein paar Tage in der Wuesste ist wie eine Entschlackung der Seele. Ausser den fremdartigen Formen und Farben gibt es keine Reize, keine Geraeusche, keine Menschen einfach nichts. Mich laesst der Gedanke nicht los dieser Entschlackung auch eine koerperliche Entschlackung hinzuzufuegen und mich fuer 5 Tage nur mit meinem GPS und 15 Liter Wasser irgendwo in die Wuesste unter einen Baum zu setzen und zu fasten. Verrueckt denkt ihr?, mag sein, aber warum nicht, die Gelegenheit dazu hat man so wohl nicht sehr oft, vielleicht nie wieder. Aber ein Blick auf die Karte belehrt mich wieder eines besseren und so werde ich als naechstes wohl Dakar angehen und meine dann hoffentlich eingetroffenen Ersatzteile entgegennehmen. Spaetestens in Namibia gibt es wieder Wuesste sage ich mir und Mali liegt ja auch noch auf dem Weg.

einfach ein Traum

Vielen Dank wieder fuer eure zahlreichen Kommentare. Ich melde mich hoffentlich bald erholt aus Senegal zurueck und verabschiede mich damit vorerst von der faszinierenden Sahara und den liebenswerten Menschen dieser Region.

Minenfeld auf den letzten Kilometern vor der mauretanischen Grenze. Man verlaesst die Strasse hier besser nicht!

2 weitere Tage Kilometerjagd durch Western Sahara hat unerwartet landschaftlich noch einiges an Abwechslung mit sich gebracht. Fuer die Computerspieler unter den Lesern kann ich ein einfaches Gleichnis ziehen, es ist als wuerde man direkt nach Motocross Madness gebeamt worden sein und ich musste staendig mit mir kaempfen nicht einfach die Strasse zu verlassen und direkt auf einen der einladenenden Huegel zuzurasen, um dann hunderte von Metern durch die Luft zu fliegen.
Die Wueste aendert sich langsam und beinahe unmerklich. Aus roten Sand und groesserem Gestein wird hellerer Sand und Geroell und die Pflanzen verschwinden zunehmend. Zur mauretanischen Grenze hin versinkt man aber ploetzlich in einer Felswueste und nach tausend Kilonmeter schnurgerader Strasse wird man mit Kurven durch eine mondaehnliche Landschaft belohnt. Am faszinierendsten fuer mich aber war es in nicht allzugrosser Entfernung meine ersten Sanduenen zu sehen. Goldgelb und maechtig ragen sie aus der ansonsten voellig flachen Wueste heraus. Ich musste zweimal hinsehen um mich zu vergewissern, dass sie wirlklich da waren, so unwirklich erschienen sie mir. Die Kanten durch den immer wehenden Wind unscharf und verwischt und mit einem sich schlaengelnden, staendig veraendernden Kamm versehen, erwecken sie den Eindruck eine Mischung aus Berg und riesigem Getier zu sein. Ich musste an Wale denken, die aus dem Ozean auftauchen. Das Gleichnis Wueste mit Ozean habe ich daraufhin noch oefter empfunden.

Peter im Grenzgebiet im Sand versunken

Die Grenze nach Mauretanien haben wie gegen 3:30 Uhr nachmittags erreicht und sahen uns daraufhin einem schier endlosen Marathon aus Warten, Paesse zeigen und Formularen ausfuellen, ausgesetzt. Man muss nur einmal als Durchreisender die Grenze ueberqueren, um zu erkennen wie unfassbar ineffizient der gesamte Vorgang ist, aber letzlich hat man schlicht keine Wahl als den gesamten Prozess ueber sich ergehen zu lassen. Verstehen muss und kann mann ihn nicht. Allein um aus Marokko auszureisen mussten wir mehrfach das gleiche Formular ausfuellen, insgesamt 5 mal den Pass zeigen und etwa 3 Stunden warten. Als wir ankamen war kaum jemand vor Ort, erst als sich etwa 2 Stunden spaeter etwa 40 Leute angesammelt hatten, wurden die ersten Stempel verteilt. Ich vermute mal das es sich aus Sicht der Grenzbeamten vorher einfach nicht gelohnt hat, mit der Arbeit zu beginnen. Auch zeigt man als Wartender Respekt und je mehr Leute warten, desto wichtiger wird die Person oder die Institution, deren Dienste man benoetigt. Vielleicht aber gibt es auch einen kleinen Schagabtausch zwischen den Grenzen und die Marokkaner schicken absichtlich eine grosse Zahl Reisender kurz vor Feierabend auf die mauretanische Seite, wer weiss. Als wir langsam anfingen unruhig zu werden, ob wir auf der anderen Seite ueberhaupt noch reinkommen, ging es dann ploetzlich ganz schnell und wir fanden uns auf dem Niemandsland zwischen den Grenzen wieder. Eine Strasse gibt es nicht nur Fels, Geroell und viel Sand und Sand ist mit unseren schwerbeladenen Maschinen alles andere als eine Freude. Den Grenzposten auf der anderen Seite sieht man nicht, also wohin eigentlich fahren? Wo immer ein Bedarf gibt es auch hier einen Dienstleister und zwar in Form zweier Maenner, die uns grinsend aus einem Allrad-Toyota heraus ihre Hilfe anboten, uns ueber geeignete Pfade auf die andere Seite zu bringen. Zuversichtlich dass das nicht so schwierig sein koennte lehnte wir ebenfalls grinsend ab und fuhren geradewegs ins Nichts, gefolgt von unseren Helfern. 5 Minuten spaeter waren wir, offenbar auf der falschen Route, hoffnungslos schwitzend im Sand versunken, Geoff und ich hatten bereits die ersten Sturze hinter uns, und nahmen zaehneknischend die Hilfe der Fuehrer an, die uns wissentlich auf dem Irrweg verfolgt hatten.
Auf der mauretanischen Seite angekommen, dem einzigen offiziellen Uebergang aus Marokko wohlgemerkt, findet man zwei Holzbarakken ueberlster Sorte, eine davon ohne Licht und man ist geneigt zu glauben, dass es sich um Betrueger handelt. Immerhin aber ging alles dann recht zuegig und nachdem wir zu irrsinnig schlechten Konditionen Geld getauscht und eine Versicherung fuer die Motorraeder im Gepaeck hatten sowie Stempel- und Carnetangelegenheiten hinter uns gebracht waren, fuhren wir in die dunkle Nacht. Die Versicherung bekamen wir uebrigens in der Barakke ohne Licht, ausgetellt von jemandem mit einer Taschenlampe zwischen Kinn und Schulter, umzingelt von Geldtauschern und unterbrochen vom Gebet des Austellers. Abends irgendwo ankommen ist meist schwierig, man ist erschoepft, es ist warm, man sucht nach einer geunstigen Unterkunft, die allen Recht ist, alles ist fremd und mann muss die Vertrautheit seines motorisierten Begleiters verlassen und heranstuermende Kinder und Haendler machen die Angelegenheit auch nicht leichter. Dies auch noch im Dunkeln hinter einer Grenze, den unangehmsten Orten ueberhaupt, zu vollbringen, stand uns nun bevor und unsere Laune war entsprechend getruebt. Was fuer ein Einstieg.

In Mauretanien fuehlt man sich ploetzlich in Afrika wie man sich es vorstellt, die Menschen sind mehrheitlich schwarz, die Strassen mehrheitlich Sandpisten (mit Ausnahme der grossen Verbindungsrouten), es ist heisser und das Leben spielt sich auf der Strasse ab. Nichts ist neu, alles wird gebaut, nichts ist fertig, jeder kann und weiss immer alles und es lohnt sich kaum jemanden zu fragen. Fragt man in einer Apotheke ob es Brot gibt, wird man die Antwort “Ja” erhalten, dann wird ein Junge 2 Strassen weiter geschickt, der dann dann Brot bringt, dass dann zum 5fachen Preis an die wandelnden weissen Geldautomaten verkauft wird. Man kann im Allgemeinen davon ausgehen, das man immer ein Vielfaches bezahlt, egal wofuer.
Ein Sache die mir auch in Marokko schon aufgefallen ist und sich hier verstaerkt fortsetzt, sind die Kinder und teilweise Alten, die beim Essen direkt hinter einem stehen und geduldig darauf warten, das wir aufstehen und den Tisch verlassen. Sobald man weg ist, fallen alle ueber den Tisch her und schlingen das Essen und trinken die Reste. Der Unterschied zwischen uns ist nirgends staerker und unangenehmer zu spueren.

Mir ist klar geworden, das Autos im Verhaltnis zum Leben eines Menschen im westlichen Europa nur ihre Jugend, sagen wir mal die ersten 25 Jahre, verbringen. Dann erst beginnt das eigentliche Leben weit jenseits funktionierender Kilometerzaehler und Tachostaende. Merzedes 190d ist hier das klar bevorzugte Auto und viele haben noch das “D” hinten drauf. Diesel ist einfach zu bekommen und zu unserem Leidwesen stossen wir auf die ersten Tankstellen dir nur Diesel verkaufen. Um sicher zu gehen sind wir dazu uebergegangen immer voll zu tanken.

heiss, trocken und lebensfeindlich

Die Fahrt nach Noukchott, der Hauptstadt Mauretaniens, war die heisseste bislang. Sobald man die Kuestenregionen verlaesst und sich in die Wueste begibt, wird es sehr schnell sehr heiss und die Temperatueren steigen auf ueber 40 Grad. Solange man mit mehr als 60 kmh in Bewegung bleibt ist es ertraeglich, aber wehe man bleibt stehen… Die Vortstellung das Motorrad entschliesst sich ausgerechnet hier liegen zu bleiben, ist beaengstigend. Mauretanien besteht zu 80 Prozent aus Wueste, Sandwueste zum groesseren Teil, unbewohnbar, und so teilen sich auch nur 3 Millionen Einwohner eine Flaeche doppelt so gross wie Frankreich. Aber es ist ein besonderes Erlebnis das Motorrad einfach mal am Strasssenrand stehen zu lassen und 5 Minuten in die Wueste zu laufen, wissend; dass es es viele tausend Kilometer in dieser Richtung nichts als Sand zu finden gibt, sich umzudrehen, das winzige Motorrad in der Weite des Sandes zu sehen und sich schnell wieder in die Sicherheit der Strasse zu bringen. Als wuerde man in die Weite des Ozeans schwimmen und zureck an Land kommen, bevor man ertrinkt.

Noukchott ist vermutlich die am weingsten urbane Hauptstadt in der ich je war, nur die grosse Strasse, die in die Stadt fuehrt, laesst auf eine kommende Hauptsatdt im gewohnten Sinne schliessen. Da diese allerdings auf beiden Seiten auf der gesamten Laenge von Muellbergen umgeben ist, geht der einladende Eindruck schnell verloren. Grosse Eingangstrassen mit Tordurchfahrten oder Statuen haben wir auch in Marokko viel gesehen. Offenbahr wird darauf Wert gelegt vielversprechend empfangen zu werden, ein Eindruck, der allerdings immer verloren geht sobald man tatsaechlich in der Stadt ankommt. Vermutlich gab es dazu einen Regiezrungsbeschluss oder aehnlich. Es fuehlt sich beinahe kommunistisch an, nicht nur die weite und Groesse der Strassen, sondern auch die konsequente landesweite Umsetzung, als waere es Teil eines 5 jahres Planes.

Noukshott aber ist sympatisch, sehr entspannt und doch lebendig. Wir haben eine nette Unterkunft gefunden, in der wir uns ein paar Tage entspannen werden. Nachdem wir unsere Visa fuer Mali im Gepaeck haben , werden Peter und ich (Geoff un Mark sind nicht interessiert) unseren heissen Weg in die Wuestenoasen nach Atar antreten, eines der Highlieghts, auf das ich mich schon seit laengerem freue. Ein weiter Weg, der uns im uebrigen ganz in die Naehe des Guelb el Richat fuehren wird, einem aus dem All gesehen faszinierend aussehenden geologischen Gebilde. Leider funktionert Google maps hier nicht, sonst haette ich einen link gepostet, aber der Interssierte gehe zu Google Maps (Satellitenasnicht), suche Mauretanien und zoome langsam auf ein augenaehnlich aussehendes Gebilde. Leider soll es allerdings vor Ort erheblich weniger faszinierend aussehen als von oben und der beschwerliche Weg ueber scharfkantiges Geroell wird nicht wirklich belohnt. Aber mal sehen wie weit wir in die Region vordringen werden.

Der Naechste Eintrag erfolgt vermutlich erst in einigen Tagen, wenn wir wieder zurueck in Noukchott sind und dann auf dem Sprung nach Senegal.

Atlasauslauefer im Dunst

Der Wind saeuselt sachte um den Helm und der Motor brummt zufrieden bei konstanter Drehzahl. Alle Luftoeffnungen der Jacke sind offen und die warme, fast schon heisse Luft wirbelt durch mich hindurch. Links trennt mich ein kleiner Gebirgszug von der endlosen Weite der Wueste, waehrend sich rechts der herangewehte, gelbe Saharasand sanft an die Felsen und Anhoehen schichtet und eine erste Vorahnung auf die Duenen zulaesst. Auf der Strasse liegt eine duenne fast unsichtbare Schicht Sand, die aber in der Spur von Geoffs Motorrad vor mir aufgewirbelt sichtbar wird. Ueber dem gesamten Tal liegt ein nebliger Dunst, in den die Berge am Horizont langsam eintauchen. Die Arme lang und eine bequeme Sitzhaltung eingenommen beobachte ich die letzen Zuege des Atlas verschwinden und geniesse in voller Zufriedenheit die Ruhe und Einsamkeit dieser wunderbaren Landschaft. Schoener kann Motorradfahren nicht sein.

 

Schoen waren sie die Berge und fuer laengere Zeit werden wir uns nun durch Flachland bewegen. Oedland wuerde ich beinahe sagen, unterbrochen von wenigen Hoehepunkten. Wir sind in Western Sahara, Bourjdour angekommen. Flach und endlos weit ist es hier. Die Strasse verschwindet irgendwo am Horizont, links, rechts, vor und hinter mir ist ist alles gleich. Die eigene Bewegung erkennt man nur am Vorbeifliegen der Steine und kleinen Straeucher am Strassenrand, ansonsten veraendert sich ueber Stunden nichts. Wir haben mittlerweile Peter, den Iren, eingesammelt und sind jetzt zu viert unterwegs. Zwischen uns liegen manchmal Kilometer und jeder faehrt in seiner eigenen Geschwindigkeit und traeumt oder denkt vor sich hin. Es ist die Hauptstrasse, man koennte auch fast behaupten die einzige Strasse durch Western Sahara nach Mauretanien und dennoch sind die entgegekommenden Fahrzeuge (meist Lastwagen) so selten, das man sich gruesst, wenn man sich begegnet. Die Sahara offebahrt sich zunehmend deutlicher und so finden sich hin und wieder groessere Verwehungen von Wuestensand auf der Strasse, die dann von Baggern auf die dem Wind gegenueberliegende Seite transportiert werden muessen. Fast wie Schnee durch Schneefahrzeuge im Winter, aber eben auch nur fast.
Ich habe mir das Tao Te Ching mitgenommen und lege jeden Tag ein Tao unter die Folie des Tankrucksacks vor mir. Bei den derzeitigen Verhaeltnissen habe ich sehr viel Zeit jedem einzelnen Tao lange und ausgiebig meine Aufmerksamkeit zu schenken und meine Gedanken wandern zu lassen.

Camper und Touris haben wir derweil hinter uns gelassen und unser Auftreten erzeugt zunehmend Aufregung. Kinder kommen schon von weitem angerannt, sobald wir uns naehern und halten die Haende auf. Dies tun sie jedoch nicht immer freundlich und so habe ich mich schon vor den ersten geworfenen Steinen ducken muessen. Ein anderes Mal wollte ich nur einen Bonbon aus der Tuete nehmen und – Schwupp – schneller als ich denken konnte wurde mir die gesamte Tuete aus der Hand gerissen.

Etwa alle 50 Kilometer oder an landschaftlich geeigneten Orten trifft die Strasse auf Militaerkontrollen. Anfangs wurden wir einfach durchgewinkt, dann ausgefragt, dann sollten wir die Paesse zeigen und mittlerweile wird jedes Detail festgehalten. Pro Tag muessen wir bereits knapp 2 Stunden Aufenthalt an solchen Kontrollpunkten einplanen. Aber das Militaer ist immer freundlich und Geoff meint, die halten uns nur solange auf, weil wir die einzige Abwechslung sind, die die Jungs, den ganzen Tag in der oeden Hitze sitzend, haben.

Die Warnschilder mit dem Kamelsymbol hab ich schon haeufiger gesehen, jetzt gabs auch die Echten

Erstaunlich ist, dass immer wieder zwischendurch ploetzlich Leute am Strassenrand sitzen und vermutlich auf eine Mitnahmegelegenheit warten. Woher sie gekommen sind, ist unklar, denn weit und breit gibt es nichts, meist nicht einmal Schatten. Sie sehen aber auch nicht aus, als wuerden sie sich bemuehen ein Fazhrzeug heranzuwinken, da sie still und bewegungslos bleiben, es bleibt mir ein Raetsel. An den Stellen, an denen die Strasse naeher am Ozean liegt, stehen vereinzelt Fischerbaracken und die Fischer verkaufen ihren Fisch direkt am Strassenrand. Um moeglichst weit auf sich aufmerksam zu machen, haengen sie einen alten Fisch (oder mehrere) an Angelleinen auf, die dann im Wind vor sich hinbaumeln. Da sich sonst nichts bewegt, ein deulich sichbares Zeichen. Appetitlich sehen die teilweise voellig vergammelten Fische aber sicher nicht aus.

Mit Erschrecken habe ich heute feststellen muessen, dass mein Hinterreifen endgueltig sein Leben ausgehaucht hat und an einigen Stellen bereits die Schicht unter dem Gummi sichtbar wurde. Hoechste Zeit also, den neuen aufzuziehen. Nachdem ich nun bereits soviel dazu geschrieben habe, ist es sicher ernuechternd zu hoeren, dass am Ende alles ganz einfach war :) . 4 Mann, 1:30 und viel Schweiss hat es zwar gekostet, aber danach sass ich gluecklich ueber meinem neuen Reifen und bin von nun an mit deutlich geringerem Gewicht unterwegs. Wenn alles gut geht, sollte allerdings bereits in etwa 2 Wochen ein neuer Reifen auf mich in Dakar warten. Danke an Tom von KTM Berlin an dieser Stelle.

Nach vielen Tagen Camping haben wir uns heute wieder ein Hotel geleistet, gucken BBC news und geniessen eine warme Dusche. Bei Benzinpreisen von mittlerweile weniger als 50 Cent, duerfen wir uns das aber auch leisten.

Zeltplatz irgendwo im Nichts

Die Campingplaetze sind im uebrigen haeufig einfach nur ein ummauertes Stueck Wueste, mit einem Schild “Camping” an der Einfahrt und einem WC und einer Dusche drin, also um einiges weniger komfortabel als man dies vielleicht vermuten wuerde. Uerberhaupt wird das Ummauern leerer Plaetze hier haeufig vor dem eigentlichen Bau durchgefuehrt, so kann man sich spaeter dann immer noch entscheiden, ob man ein Haus reinbaut, oder bei mangelnden finanziellen Mitteln einfach ein “Camping”-Schild davorstellt.

In den kommenden Tagen erwartet uns weiter die gleiche monotone Landschaft und ich habe genug Zeit die naechsten Taos ausgiebig zu durchdenken. Die Strasse fuehrt uns an der Kueste bis zur mauretanischen Grenze. Ausser einem Militaergrenzuebergang mit unklaren Benzinmoeglichkeiten ist dies der einzige offizielle Weg nach Mauretanien. Der MilitaerUebergang bei Bir Mogrein fuehrt jedoch durch die als unsicher eingestufte noerdliche Region des Landes, also haben wir uns fuer den normalen Uebergang entschieden.
Internet wird jetzt zunehmend schwierieger und ist nur noch in groesseren Staedten vorhanden, fuer den Upload der GPS-Daten und der Bilder hatte ich genug Zeit hier nebenbei eine ganze Stunde diesen Text zu tippen. Ich vermute hier im Blog multimedial zu bleiben, koennte sich in Zunkunft als schwieriger erweisen.
Ich danke euch vielmals fuers mitlesen, bis demnaechst, dann vermutlich aus Mauretanien!

Blick Richtung Oarzazate

Die vergangenen Tage haben uns zunehmend tiefer ins Landesinnere und abseits der groesseren Staedte gefuehrt. Marrakesch, der vorerst letzte groessere Ort bis Nouakchott, Mauretanien ist sozusagen die Tourismushochburg Marokkos und entsprechend wird man foermlich von Verkaufern aller Art ueberfallen, sobald man sich dem wichtigsten Marktplatz, dem Djemaa el Fna, naehert. Die Sinne werden foermlich mit Geruechen, Farben und Musik ueberflutet. Berge von Gewuerzen die prachtvoll praesentiert werden, endlos lange Tafeln mit Leckereien aller Art, Schlangenbeschwoerer, Affen, zahllose Musiker und Tanzende und hunderte von Staenden ueberfordern den Neuankoemmling. Durch den Djemaa el Fna zu laufen ist ein einzieger Spiessrutenlauf. Da wird hemmungslos am Arm gezupft, festgehalten und am weiterlaufen gehindert und sobald man stehenbleibt gibt es gleich mehrere Verkauefer aller Art die auf einen einstuermen. So hatte ich auf der Suche nach einem geeigneten Essensstand gleich zwei Leute, die nicht gerade zimperlich an jeweils einem Arm zogen, um mich von deren Angebot zu ueberzeugen. Sobald man sich einer Gruppe von Musikern auch nur etwas naehert, kommt gleich ein Geldeintreiber mit einer grossen Schuessel angestuermt und verfolgt dich gnadenlos, wenn man es nicht augenblicklich schafft in der Menge unterzutauchen.
Eine wichtige Erfahrung habe ich durch Erlebnisse der vergangenen Tage gemacht, man sollte die Einheimischen mit denen man in Kontakt kommt, finden, statt gefunden zu werden. Wird man hingegen gefunden, egal in welcher Absicht, war das Ziel bislang ausnahmslos auf die eine oder andere Art am Ende Geld einzufordern und manche scheinbar selbstlose Freundlichkeit erweisst sich als Trick. Mit etwas Aerger und Enttaeuschung drueckt man dem Wohltaeter am Ende das Geld in die Hand und denkt, das ist einfach nicht die Art von Kontakt, die ich mit der Bevoelkerung haben moechte. Hingegen hat es sich immer als gute Erfahrung erwiesen den Kontakt selbst zu suchen. Als ich im heissen, verstauten Casa verzweifelt den Weg zum Hotel gesucht habe und mich nach dem Weg erkundigt habe, hat es sich mein zufaellig gewaehlter Fuehrer nicht nehmen lassen fuenf Minuten vor mir her durch die Strassen zu rennen (auf dem Motorrad ist kein Platz) und mich bis zum Hotel zu bringen. Ein Laecheln und ein Handschlag war alles was er als Dank wollte. Auch der Ersatzteilhaendler in Rabat hat nach langer Suche nach einem geeigneten Deckel fuer meinen Kanister, keine Geld annehmen wollen und mich stattdessen zu ultrasuessen MinzTee eingeladen.

Dorf im Atlas - Allahu Akbar schallt durch die Lautsprecher durch das gesamte Tal

Wir waren froh Marrakesch gesehen zu haben, aber im Grunde zieht uns die weite Landschaft an und vor uns lag bereits sichtbar und vielversprechend der hohe Atlas. Was kann ich sagen, die Fahrt von Marrakesch nach Ouarzazate und auch heute nach Foum Zguig, bereits recht weit ab von den groesseen Strassen, war ueberwaeltigend und zweifellos eine meiner schoensten Motorraderfahrungen ueberhaupt. Die Strasse schlaengelt sich bis auf 2300 Meter durch karge, rote, steinige Schluchten abgewechselt durch gruene Palmenoasen und immer wieder eingebettet kleine Doerfer aus Lehmhausern in der gleichen Farbe wie die Berge selbst, als waeren sie aus dem Berg gewachsen. Man will alle hundert Meter anhalten und sprachlos in die surreale Landschaft starren und versuchen es irgendwie auf dem Foto festzuhalten. Vom Gefuehl her kann man nicht weiter von zu hause entfernt sein – und wir sind erst in Marokko.

 Ouarzazate ist ein Sprungbrett fuer marokkanische Wuestentouristen und so findet man sich dort angekommen, umgeben von etlichen Allradfahrzeugen und Enduros aller Art. Jeder beschreibt seine Wuestentouren oder die Ausfluege in die Schluchten der Umgebung. Auf eine spezifische Art sehr touristisch und ich frage mich wie weit man kommen muss, um dem zu entkommen. Aber dann sehe ich mir die Afrikakarte in der Gesamtheit an und kann nur laecheln ueber die Winzigkeit unserer bisher zurueckgelegten Strecke.

Mir wird aber auch bewusst das dies eben kein normaler Urlaub ist, wie ihn die anderen hier erleben. Die Umgebung laedt zu etlichen Ausfluegen von Sandduenensafaris bis zur Erklimmung der 4000 Meter hohen Berge oder der Durchkreuzung der tiefen Schluchten ein, aber wir muessen uns damit abfinden das meiste nicht zu sehen. Wir koennen einfach nicht ueberall auf unserem Weg die Gegend ausufernd erkundschaften, den wir haben ein Ziel und das heisst Kapstadt und der Weg ist weit und auch unsere Zeit und Mittel sind begrenzt. Die Herausforderung besteht im Ankommen und ist wichtiger Teil der Faszination unserer Reise.

Mit ein wenig Wehmut haben wir daher viele der Highlights ungesehen gelassen und uns heute weiter in Richtung Suedosten, Richtung Mauretanien begeben. Dennoch wurden wir mit einer Landschaft ohne gleichen in einer zunehmend verlassenen Gegend belohnt, die uns auch promt in unser erstes Beinahe-Benzinproblem gestuerzt hat. Wir befinden uns jetzt kurz vor der Sahara und begegnen Haendlern, die wie ihre Vaeter und Urvaeter Waren mit Kamelkaravanen von hier aus nach Timbuktu und zurueck bringen. Die Reise dauert 2 Monate, der Handel mit den Waren in den Oasen rund um Timuktu ebenfalls 2 Monate und so auch der Rueckweg. Im November also Winter , wenn die Temperaturen in der Sahara etraeglich sind, geht die Reise los. Timbuktu liegt auch auf unserer Route, wir werden es allerdings auf dem “etwas” leichterem Wege, die Sahara umfahrend, ereichen.

Nach dem beindruckenden Ausflug durch die Berge wird uns unser Weg in den kommenden Tagen auf den langen Weg durch Western Sahara fuehren. Die Sandduenen hier, lassen wir ungesehen hinter uns wissend, das uns noch viel beindruckendere in Mauretanien und Mali erwarten werden.

Nemo: nur 15 Minuten Zeit, daher nur ein Lebenszeichen, mehr in den kommenden Tagen …

to marakesch

Nach zweimonatigem Emailverkehr mit Mark (43 – Californien) und Geoff (35 – Schottland) war es shon sehr bewegend sich dann tatsaechlich in Casablanca am verabredeten Treffpunkt die Haende zu schuetteln. Mark ist ein IT-Jounalist der einiges an Erfahrung vorzuweisen hat, wenn es um Fernreisen mit dem Motorrad geht (Alaska -  Feuerland) und Geoff ein ehemaliger britisher Soldat, der rund um die Welt in Krisengebiten im Einsatz war. Beide sind vollkommen anders als erwartet, ohne Wertung, einfach anders und die Umstellung von der Single zur Triplereise bringt ein voellig verschiedenes Reisegefuehl mit sich. Peter (60 und Ire), der vierte unterwegs, habe ich noch voellig zufaellig in Rabat getroffen. Er wird uns fuer die Mauretanien-Wuesten Routen begleiten, faehrt dann aber wieder zurueck nach Marokko.

Nach einem sehr bier-intensiven Abend (Yep hier gabs bars) in Casa, haben wir uns heute auf den Weg nach Marakesch gemacht. Der Wechsel der Landschaft war ueberwaeltigend. Trocken und staubig, rote Erde , leicht huegelig , hin und wieder Palmenheine, das Atlasgebirge in weiter Ferne sichtbar, leere aber nach wie vor herausragend gute Strasse – einfach fantastisch.

Es war schon ein sehr gemischtes Gefuehl auf der Faehre stehend das gute alte Europa aus den Augen verschwinden und auf der anderen Seite Afrika naeher kommen zu sehen. Schwindende Sicherheit als Preis fuer das Abenteuer. Ein wenig mulmig war mir da schon. Nach nur 40 Minuten steht, bzw. faehrt, man auf der anderen Seite und findet sich zunaechst in Ceuta einer unter spanischer Hoheit stehenden Halbinsel und neben Melilla dem letzten Aussenposten Europas auf dem afrikanischen Kontinent, wieder. Der Kulturschock bleibt zunaechst aus und man erlebt stattdessen einen bunten Mix aus franzoesischen, spanischen und arabischen Einfluessen. Berber, Araber, Europaeer zusammengewuerfelt auf kleinsten Raum in einer sauberen und gepflegten Stadt mit augenscheinlich hohem Lebensstandard.

Ich muss zugeben in all der Vorbereitung auf das Ganze, der Organisation und dem Versuch zeitnah mit den beiden anderen zusammenzutreffen, habe ich vollkommen vernachlaessigt mich darauf vorzubereiten was mich im direkt vor mir liegenden Marokko erwartet. Weder kante ich die Waehrung noch hatte ich mich damit auseinandergesetzt welche Route jetzt als naechstes einzuschlagen ist. Dank GPS-Routing war das ja auch bislang gar nicht noetig. Fuer Afrika aber sind die GPS Karten eher rudimentaer und ein automatisches Routing gibs schon gar nicht. Nach einstuendiger Grenzueberquerung (Marokko duerfte noch eines der einfachsten sein) fand ich mich ein einer anderen Welt mit extremen Gegensaetzen zum gerade verlassenen Ceuta wieder. Steigt man aus einem Flieger akzeptiert man einfach, das die Welt nach dem Ausstieg eine komplett andere sein kann. Wenn man sich hingegen fahrend durch Europa bewegt hat man Zeit sich an die Veraenderungen zu gewoehnen. Nach nur 100 Metern Grenzgebiet ist aber einfach alles anderes und das mulmige Gefuehl der Faehre war auf einen Schlag mit ganzer Kraft zurueck und ich ertappe mich bei dem Gedanken “Motorrad, bitte bitte bleib heil, hier will ich nicht mit dir liegenbleiben”. Solange es sich bewegt ist das Motorrad der Inbegriff der Freiheit, sobald es steht wird es zum Gefaengnis. Kein guter und kein richtiger Gedanke, aber so fuehlt es sich momentan noch an. Daran werde ich noch arbeiten muessen. Dennoch, als ich in Tetouan anhielt um Geld zu holen beobachtete mich ein auf einer Mauer sitzender mit30jaehriger Mann und laechelte mich bei meiner Abfahrt warm an und winkte mir zu. In diesen 3 Sekunden war das beklemmende, mulmige Gefuehl der Fremde fast gaenzlich aufgebraucht. Mehr braucht es eben manchmal nicht.

Auf dem Weg nach Rabat

Die Fuelle der Eindruecke kann ich hier nicht wiedergeben. Es gibt viel Armut, man sieht rudimentaerste Landwitschaft, immer wieder Ansammlungen von Maennern, die mit einfachem Geraet irgendwo neben der Strasse irgendwas buddeln, natuerlich Muell insbesondere schwarze Muelltueten, die staendig herumwehen und sich in grosser Zahl in Zaeunen ansammeln. Insbesondere aber sieht man viel Polizei. Eigentlich hat beinahe jeder Keisverkehr einen eigenen Polizisten, der dort steht und nach dem Rechten schaut, manchmal sind es sogar zwei. Im allgemeinen stehen sie nur rum, sind aber im Falle eines kurzen Staues blitzschnell bereit auf der Trillerpfeife pustend und wild gestikulierend auf sich aufmersam zu machen. Da dies dann auch den Rest der Fahrer ablenkt entsteht dann tatsaechlich eine verfahrene Situation, die ein weisendes Eingreifen des Polizisten erfordert.

Ich muss (neben Franzoesisch) als Wichtigstes lernen mit den ueberall vorhandenen Leuten umzugehen, die einem staendig jeden auch nur kleinsten Service abnehmen wollen. So gibts es neben den ueblichen Koffertraegern, Schuhputzern  und Stadtfuehrern auch Helfer fuer Grenzproblematiken, Uebersetzer die ploetzlich aus dem Nichts auftauchen und bei kleinsten Verstaendigungsproblemen helfen wollen, Kindern, die sich anbieten Geld in den Parkautomaten zu werfen, damit man nicht extra hingehen muss, andere die das Motorrad bewachen wollen und etliche mehr. Und natuerlich bin ich einigen auf den Leim gegangen, schliesslich haben die gute Uebung darin ploetzlich unverzichtbarer Teil deines Tages zu werden und man will ja nicht unhoeflich sein; aber manchmal gehts dann wohl anders nicht, da muss ich erst noch Strategien entwickeln.

Die Mauer umgibt praktisch den gesamten Innenkern Rabats und umschliesst die labyrinthische Medina

Rabat ist an Eindrueken mehr als ich hier noch abtippen kann. Und vieles muss ich erstmal verarbeiten. Und um auf den Titel einzugehen, der groesste Kulturunterschied ist eben der Islam. Und wenn man fuer alle hoerbar die Gebetsaufrufe durch die Stadt klingen hoert, fuehle ich mich schon sehr fremd und auch ausgeschlossen. Fuer Gehoerlose wird dann im Uebrigen eine weisse Fahne gehisst. Dies mal nur als Info, von meinem nicht abzuwimmelnden Stadtfuehrer, am Rande. Aber es fasziniert mich und ich geniesse es jetzt tatsaechlich auf dem eigenen Motorrad ganz woanders angekommen zu sein.

Mark und Geoff haben sich derweil nach Casablanca verkruemelt und warten jetzt dort. Ich schliesse heute abend dorthin auf (nur 90 km entfernt). Allein ists doch etwas nervenaufreibend mit all dem Gepaeck hinten drauf nach einem Hotel zu suchen und jedesmal Angst zu haben einen Teil des Gepaeckhaufens geklaut wiederzufinden.

So, ich begebe mich jetzt in die Medina von Rabat und versuche einen Ersatz fuer den verlorengegangenen Verschluss eines meiner Extrakanister zu besorgen, ohne den ich knapp 100 km Reichweite verlieren wuerde. Spaetestens wenn man in abgelgenere Wuestenregionen in Mauretanien will, gehts es ohne den zweiten Kanister nicht mehr. Und falls sich einer wundert warum ich hier sitze und endlos tippe, statt draussen Marokko zu erleben -  es giesst in Stroemen.

Ach und eines habe ich noch vergessen…. AHHHH es gibt gar kein Bier nirgends.

erstes Zeichen vom bevorstehenden Afrika

Vorweg:
Amerikanische Tastatur, soweit gut, dafuer aber 10 jahre alt und ein grauen. ich entschuldige mich scho mal fur zwischendurch fehlende buchstaben.
Viieelen Dank fuer eure kommentare :) . Das ist richtig schoen hier ins cafe zu kommen und zu sehen, dass ich nich der einzige bin, der in den blog guckt.

Die Fahrt von Madrid nach Marbella hat mich bereits fuer die Anstrengungen durch ordeuropa entchaedigt. Irgendwo auf der leeren, hervorragend ausgebauten und fast voellig kurvenfreien Autovia del Sur und umgeben von einer kargen, kultivierten und recht monotonen Landchaft bin ich in meiner Reise angekommen und konnte meine Gedanken von der Beobachtung einer Fliege, die 20 Kilometer hinter meiner Windschutscheibe sass, bis hin zu allgemeiner Reflexion ueber Bewegung und Ankommen im Leben allgemein schweifen lassen. So nach und nach finde ich meinen Rhytmus und die noetige Ruhe und stimme mich auf die richtige Reisegeschwindigkeit ein. Die Tage der vielen Kilometer sind vorbei und das ist gut so. Mit der nun gewonnenen Ruhe und Gelassenheit stelle ich auch fest, dass ich offener und freier fuer die Menschen auf meinem Weg bin und mich auf Gspraeche einlassen kann, ohne immer gleich weg und weiter zu wollen. So haben meinen Weg bereits Fabian ein Backpacker aus Wittenberg (19), mit dem ich dann gemeinsam gezeltet habe und zwei englische Paerchen (50+) gekreuzt. Letztere haben mich zu einem sehr netten Gespraech ueber Afrika (die Maenner waren Baenker in allenmoeglichen afrikanischen Laendern, bzw. ehemaligen engl. Kolonien) und einem kuehlen Wein in idylischer Strandbaratmosphaere eingeladen.

Die Temperaturen hie unten sind ideal, so ideal, dass man sich nicht entscheiden kann, ob man auf der Sonnen- oder Schattenseite der Strasse gehen will. Egal wie man sich entscheidet, es ist immer richtig und angenehm. Endlich kann ih meinr Nordeuropawinterschichten ablegen.

Meine vorbesellten Reifen waren natuerlich nicht da, vor eine woche waren sie noch im lager, jetzt kann sich auch keiner vorstellen wo sie hin sind. So richtig gewundert hats mich eigentlich nicht. Nach einer fast ganztaegigen odyssee habe ich mich letzlih gegen die woche wartezeit auf die (nach langer recheche ermittelten) optimalen Reifen (Continental TKC80) entschieden und stattdessen weit unguenstiegere reifen (Metzeler Karoo) genommen, die ich aber dafuer gleich abholen konnte. Wobei “gleich Abholen” auch eine 100 km Rundreise beinhaltete. Unguenstig uebrigens im Sinne von Haltbarkeit, denn nach etwa 4000 km duerfte ich wieder vor dem gleichen Prblem stehen, dann aber in vermutlich etwas schwierigeren umstaenden. Aber diesem Problem stelle ich mich dann spaeter ;) . Da Marokko groestenteils asphaltiert ist, schleppe ich jetzt vermutlich bis nahe an Mauretanien die beiden nicht gerade leichtgewichtigen Reifen oben aufgeschnallt mit mir rum, um moeglichst spaet zu wechseln. Mir grauts jetzt schon vor dem dann anstehenden Reifenwechsel. Bei meiner letzten Reifenwechselerfahrung hats 3 ausgewachsene Maenner, in einer KTM-Werkstatt wohlgemerkt (vielen Dank nochmal an Tom fuer die Hilfe an dieser Stelle!), gebraucht, um den verteufelten Hinterreifen von der Felge zu bekommen. Aber es gibt Tipps und Tricks fuer solche Faelle auch fuer die Pampa. Wenn gar nichts geht, kann man in letzter Instanz immer noch mit einem Auto an der richtigen Stelle ueber den Reifen fahren, dass sollte in jedem Fall gehen und womoeglich bleibt sogar die Fege ganz :) . Deutliche Minuspunkte fuer mein Motorrad an dieser Stelle.
Die Prioritaet lag aber ganz klar darin, die anderen nicht weg fahren zu lassen, denn die sitzen in rabat und werden langsam unruhig. Wenn alles gut geht, werde ich demnach morgen frueh die faehre von Algeciras nach Ceuta nehmen und Mark und Geoffrey in Rabat antreffen. So zumindest der plan. Ob wie ueblich die Realitaet von den vorher geschmiedeten Plaenen abweicht, dann beim naechsten Mal.

Vorweg: Ich habe die Seite mit dem vollstaendigen GPS-Log wieder entfernt, da bereits am 3. Tag eine Ladezeit von 5 Minuten entstanden ist, die den Server waehrend dessen komplett lahm legt.

Bin in Bordeaux gelandet und nach 3 recht anstrengenden Tagen durch Nordeuropa ziemlich erschoepft. Nass, kalt, windig und endlos grau hat mir das Wetter an Eindruecken geboten und zwar sehr viel davon. Geregnet hat es praktisch durchgehend und der Wind war derart boeig und stark, dass es zeitweise schwer war ueberhaupt in der Spur zu bleiben. Wenigstens weiss ich endlich warum einer die sonst so nervigen Haendeheisslufttrockner in oeffentlichen Toiletten erfunden hat. Fuer durchgefrohrene Motorradfahrer sind sie, damit sie Haende und Handschuhe waermen koennen. Einfach genial. Spaetestens nach 100 km beginne ich bereits davon zu traeumen ;) .

Ansonsten ist mein Kopf recht leer, das schlechte Wetter beansprucht mich voellig. Zur Zeit ist ganz klar das Ziel das Ziel und nicht der Weg. Und das Ziel ist Afrika oder wenigstens die Waerme. Fahren, tanken, fahren, tanken, mehr hat der Tag derzeit nicht zu bieten. Aber der Blogtitel lautet schliesslich ~Berlin-Kapstadt~ und nicht ~Berlin-Kapstadt, ausser die ersten 3000km die ich mit dem Zug erschummelt habe~; klingt auch bloed, also muss ich da durch.

Bordeaux aber ist mir auf Anhieb sympatisch, insbesondere mein Ausflug in eine kleine Brasserie in der Naehe meines Hotels, der mir guten Wein und einen in einer Schale zerlaufenen Camembert mit Pommes beschert hat, stimmt mich zufrieden und gluecklich. Die Kommunikation gestaltet sich aber schwierig. Der durchschnittliche Franzose kann mit der Sprache Englisch im allgemeinen nichts anfangen (Alter spielt  da keine Rolle) , waehrend sich mein  Franzoesisch auf die Frage “Parlez vouz anglais” beschraenkt. Aber ich arbeite daran und trage meinen Minilangenscheid auf Schritt und Tritt mit mir rum.

Von den kommenden Tagen erwarte ich in erster Linie Waerme und Trockenheit; denn vom Gegenteil habe ich mehr als genug bekommen! Mein kommender Eintrag wird  vermutlich aus Suedspanien kommen, wo ich meine Reifen wechseln werde und ein paar Tage Kraft tanke, bevor ich den Sprung nach Afrika wage. Mal sehen wie die spanische Tastaturbelegung assieht, denn die Franzosen haben es tatsaechlich geschafft so ziemlich jede Taste woanders zu platzieren, ich fuehle mich wie mein Opa (Tschuldige Opa!) waehrend ich das hier tippe. Entschuldigt also die Tippfehler!

Genug soweit; die 900 nasskalten Tageskilometer verlangen nach einer verdienten Nachtruhe und so werde ich das sprudelnde Nachtleben Bordeauxs zu Gunsten einer zeitigen Abreise ohne mich stattfinden lassen.

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