Atlasauslauefer im Dunst

Der Wind saeuselt sachte um den Helm und der Motor brummt zufrieden bei konstanter Drehzahl. Alle Luftoeffnungen der Jacke sind offen und die warme, fast schon heisse Luft wirbelt durch mich hindurch. Links trennt mich ein kleiner Gebirgszug von der endlosen Weite der Wueste, waehrend sich rechts der herangewehte, gelbe Saharasand sanft an die Felsen und Anhoehen schichtet und eine erste Vorahnung auf die Duenen zulaesst. Auf der Strasse liegt eine duenne fast unsichtbare Schicht Sand, die aber in der Spur von Geoffs Motorrad vor mir aufgewirbelt sichtbar wird. Ueber dem gesamten Tal liegt ein nebliger Dunst, in den die Berge am Horizont langsam eintauchen. Die Arme lang und eine bequeme Sitzhaltung eingenommen beobachte ich die letzen Zuege des Atlas verschwinden und geniesse in voller Zufriedenheit die Ruhe und Einsamkeit dieser wunderbaren Landschaft. Schoener kann Motorradfahren nicht sein.

 

Schoen waren sie die Berge und fuer laengere Zeit werden wir uns nun durch Flachland bewegen. Oedland wuerde ich beinahe sagen, unterbrochen von wenigen Hoehepunkten. Wir sind in Western Sahara, Bourjdour angekommen. Flach und endlos weit ist es hier. Die Strasse verschwindet irgendwo am Horizont, links, rechts, vor und hinter mir ist ist alles gleich. Die eigene Bewegung erkennt man nur am Vorbeifliegen der Steine und kleinen Straeucher am Strassenrand, ansonsten veraendert sich ueber Stunden nichts. Wir haben mittlerweile Peter, den Iren, eingesammelt und sind jetzt zu viert unterwegs. Zwischen uns liegen manchmal Kilometer und jeder faehrt in seiner eigenen Geschwindigkeit und traeumt oder denkt vor sich hin. Es ist die Hauptstrasse, man koennte auch fast behaupten die einzige Strasse durch Western Sahara nach Mauretanien und dennoch sind die entgegekommenden Fahrzeuge (meist Lastwagen) so selten, das man sich gruesst, wenn man sich begegnet. Die Sahara offebahrt sich zunehmend deutlicher und so finden sich hin und wieder groessere Verwehungen von Wuestensand auf der Strasse, die dann von Baggern auf die dem Wind gegenueberliegende Seite transportiert werden muessen. Fast wie Schnee durch Schneefahrzeuge im Winter, aber eben auch nur fast.
Ich habe mir das Tao Te Ching mitgenommen und lege jeden Tag ein Tao unter die Folie des Tankrucksacks vor mir. Bei den derzeitigen Verhaeltnissen habe ich sehr viel Zeit jedem einzelnen Tao lange und ausgiebig meine Aufmerksamkeit zu schenken und meine Gedanken wandern zu lassen.

Camper und Touris haben wir derweil hinter uns gelassen und unser Auftreten erzeugt zunehmend Aufregung. Kinder kommen schon von weitem angerannt, sobald wir uns naehern und halten die Haende auf. Dies tun sie jedoch nicht immer freundlich und so habe ich mich schon vor den ersten geworfenen Steinen ducken muessen. Ein anderes Mal wollte ich nur einen Bonbon aus der Tuete nehmen und – Schwupp – schneller als ich denken konnte wurde mir die gesamte Tuete aus der Hand gerissen.

Etwa alle 50 Kilometer oder an landschaftlich geeigneten Orten trifft die Strasse auf Militaerkontrollen. Anfangs wurden wir einfach durchgewinkt, dann ausgefragt, dann sollten wir die Paesse zeigen und mittlerweile wird jedes Detail festgehalten. Pro Tag muessen wir bereits knapp 2 Stunden Aufenthalt an solchen Kontrollpunkten einplanen. Aber das Militaer ist immer freundlich und Geoff meint, die halten uns nur solange auf, weil wir die einzige Abwechslung sind, die die Jungs, den ganzen Tag in der oeden Hitze sitzend, haben.

Die Warnschilder mit dem Kamelsymbol hab ich schon haeufiger gesehen, jetzt gabs auch die Echten

Erstaunlich ist, dass immer wieder zwischendurch ploetzlich Leute am Strassenrand sitzen und vermutlich auf eine Mitnahmegelegenheit warten. Woher sie gekommen sind, ist unklar, denn weit und breit gibt es nichts, meist nicht einmal Schatten. Sie sehen aber auch nicht aus, als wuerden sie sich bemuehen ein Fazhrzeug heranzuwinken, da sie still und bewegungslos bleiben, es bleibt mir ein Raetsel. An den Stellen, an denen die Strasse naeher am Ozean liegt, stehen vereinzelt Fischerbaracken und die Fischer verkaufen ihren Fisch direkt am Strassenrand. Um moeglichst weit auf sich aufmerksam zu machen, haengen sie einen alten Fisch (oder mehrere) an Angelleinen auf, die dann im Wind vor sich hinbaumeln. Da sich sonst nichts bewegt, ein deulich sichbares Zeichen. Appetitlich sehen die teilweise voellig vergammelten Fische aber sicher nicht aus.

Mit Erschrecken habe ich heute feststellen muessen, dass mein Hinterreifen endgueltig sein Leben ausgehaucht hat und an einigen Stellen bereits die Schicht unter dem Gummi sichtbar wurde. Hoechste Zeit also, den neuen aufzuziehen. Nachdem ich nun bereits soviel dazu geschrieben habe, ist es sicher ernuechternd zu hoeren, dass am Ende alles ganz einfach war :) . 4 Mann, 1:30 und viel Schweiss hat es zwar gekostet, aber danach sass ich gluecklich ueber meinem neuen Reifen und bin von nun an mit deutlich geringerem Gewicht unterwegs. Wenn alles gut geht, sollte allerdings bereits in etwa 2 Wochen ein neuer Reifen auf mich in Dakar warten. Danke an Tom von KTM Berlin an dieser Stelle.

Nach vielen Tagen Camping haben wir uns heute wieder ein Hotel geleistet, gucken BBC news und geniessen eine warme Dusche. Bei Benzinpreisen von mittlerweile weniger als 50 Cent, duerfen wir uns das aber auch leisten.

Zeltplatz irgendwo im Nichts

Die Campingplaetze sind im uebrigen haeufig einfach nur ein ummauertes Stueck Wueste, mit einem Schild “Camping” an der Einfahrt und einem WC und einer Dusche drin, also um einiges weniger komfortabel als man dies vielleicht vermuten wuerde. Uerberhaupt wird das Ummauern leerer Plaetze hier haeufig vor dem eigentlichen Bau durchgefuehrt, so kann man sich spaeter dann immer noch entscheiden, ob man ein Haus reinbaut, oder bei mangelnden finanziellen Mitteln einfach ein “Camping”-Schild davorstellt.

In den kommenden Tagen erwartet uns weiter die gleiche monotone Landschaft und ich habe genug Zeit die naechsten Taos ausgiebig zu durchdenken. Die Strasse fuehrt uns an der Kueste bis zur mauretanischen Grenze. Ausser einem Militaergrenzuebergang mit unklaren Benzinmoeglichkeiten ist dies der einzige offizielle Weg nach Mauretanien. Der MilitaerUebergang bei Bir Mogrein fuehrt jedoch durch die als unsicher eingestufte noerdliche Region des Landes, also haben wir uns fuer den normalen Uebergang entschieden.
Internet wird jetzt zunehmend schwierieger und ist nur noch in groesseren Staedten vorhanden, fuer den Upload der GPS-Daten und der Bilder hatte ich genug Zeit hier nebenbei eine ganze Stunde diesen Text zu tippen. Ich vermute hier im Blog multimedial zu bleiben, koennte sich in Zunkunft als schwieriger erweisen.
Ich danke euch vielmals fuers mitlesen, bis demnaechst, dann vermutlich aus Mauretanien!

2 Antworten zu “Sand in Sicht”

  1. Weiterhin viel Glück und alles Gute auf Deiner Reise!

  2. einfach schön .. es genieße es sehr, von deinen erzählungen ud bildern vollends in eine andere welt, an fremde orte entführt zu werden. ich freue mich, in deinen worten, die entspannung und den genuß eines reisenden mitklingen zu hören .. selbstfindung/ gedankenspaziergänge inklusive.

    so wünsche ich dir, die straße behält ihre gute befahrbarkeit und ihr musst nicht zum wüstenschiff werden, um dieses Stück der Reise zu bewältigen. zugegebenerweise wäre ein solches bild (du + motorad auf einem kamel durch die wüste), ungeachtet des Aufwandes ein großer Spaß ;) kt

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