5000 km Tacho

5000 km Tachostand

Das geeignetste Motorrad für Fernreisen zu finden, war mein Anspruch vor dem Kauf meiner 2011er  Ténéré. Nach 5000 recht schnell vergangenen Kilometern, dient dieser Beitrag in erster Linie dem Motorradinteressierten, der sich mit ähnlichen Kaufabsichten trägt. Mein vorheriges Gefährt war eine KTM 950 Adventure und so wird sich die Neue wohl oder übel mit der doch recht verschiedenen KTM messen und vergleichen lassen müssen. Der Einwand des Apfel/Birnen Vergleichs ist zwar gerechtfertigt, lässt man den Unterschied im Preis auf der Suche nach dem idealen Motorrad aber außen vor, wird man in der Auswahl letztlich beide Modelle (bzw. heute die 990er Adventure) mit einbeziehen. Dennoch ist dieser Artikel kein Vergleich aller für das Unterfangen einer Fernreise geeigneten Motorräder!

Und los geht’s.

Kann ich mit einem etwa 200 Kg schweren und 48 PS starken Motorrad glücklich werden, war meine größte Sorge vor dem Kauf und ich nehme mal an, dass dürften sich die meisten Kaufinteressierten fragen, insbesondere wenn man mehr Leistung kennt und gewohnt ist. Ist ein derart schlechtes Gewicht-Leistungsverhältnis überhaupt noch zeitgemäß, wenn Hersteller sich gegenseitig mit immer mehr Leistung und dabei immer geringerem Gewicht überbieten? Das ein Mehr nur allzuoft Verkaufsargumente der Hersteller sind und mit dem eigentlichen Nutzen, dem eigentlichen Mehrwert oder Spass eine Produktes wenig zu tun haben, ist sicher kein Geheimnis. Im Falles des Motorrades hängt es maßgeblich von dessen Einsatzzweck ab und so werde ich immer wieder auf die aus meiner Sicht wichtigen Kriterien einer Fernreiseenduro zurückkommen. Viel Leistung gehört nicht unbedingt dazu und keiner wird sich die Ténéré zulegen, um über den Nürburgring zu fahren, aber entspannt auf der Landstraße überholen zu können, ist auch für eine Fernreiseenduro eine gewünschte Eigenschaft. Nun, sie verbringt keine Wunder und wird einem auch niemals dieses atemanhaltende Speed-Beschleunigungsgrinsen ins Gesicht zaubern, darüber sollte man sich bewusst sein. Auf der Prioritätenliste eines idealen Fernreisemotorrades ist dieser Aspekt aber verhältnismäßig weit unten angesiedelt und obwohl ich zugeben muss, dass es mir manchmal an Schmackes fehlt, muss ich doch resümieren ich vermisse es erfreulich selten. Nein, sie ist nicht besonders schnell und 48 PS sind eben nur 48 PS, aber Ja sie macht Spass, weil Motorradfahren eben viel mehr ist, als nur schnell zu fahren.
Den Sound der Ténéré finde ich hingegen sympathisch. Ein nicht aufdringliches Klappenrasseln vermengt sich mit einem satten aber doch recht zurückhaltenden Papp-Papp-Papp Einzylinder-Auspuffsound (Standardanlage), der sich auch bei starker Beschleunigung nie in ohrenbetäubenden Lärm verwandelt. Die KTM klingt satter, kräftiger und lauter und genau das hat mich in letzter Konsequenz eher gestört. Wenn ich als Fernreisender durch kleine Orte mit winzigen Gassen tuckere, will ich nicht die gesamte Atmosphäre mit dröhnendem Krawall vernichten und einen tendenziell negativen ersten Eindruck hinterlassen. Für mich ein Pluspunkt für die Ténéré. Der Sound ist im übrigen auch ein Hauptgrund gegen die Triumph Tiger 800 gewesen, die sich mit ihrem hochfrequenten Wimmern quasi auf der Stelle disqualifiziert hat.

Vollebeladen unterwegs

Vollebeladen inklusive Sozius unterwegs

Ab 2500 Umdrehungen nimmt die Ténéré recht sauber Gas an, in höheren Gängen erst ab 3000. Der Drehmomentverlauf ist unspektakulär, verändert sich im Drehzahlband subjektiv recht wenig und hat bei etwa 5000 Umdrehungen einen kleinen Einbruch. In der Praxis dreht man die Ténéré sehr selten bis an den roten Bereich von 7500 oder überhaupt jenseits der 5000 Umdrehungen. Es lohnt sich schlicht nicht und ab 4500/5000 klingt sie eher gequält. Der tatsächlich nutzbare Drehzahlbereich zwischen untertourigem Gehacke und übertourigen Gequäle ist daher recht klein und zwingt einem sehr häufig zum Schalten, was insbesondere in kurvigen Bergetappen immer wieder zu Gangwechseln mitten in der Kurve führt. Doch keine Sorge auch mit maximaler Zuladung (Gepäck + Sozius) kann man die Ténéré noch recht zügig durch anspruchsvolle Passstraßen treiben und muss sich bei weitem nicht hinten anstellen. Über Hochgeschwindigkeitsfahrten muss ich eigentlich keine Worte verlieren. Sie fährt 160, ja, aber sie will es eigentlich nicht und je mehr man sich im Laufe der Zeit mir ihr anfreundet, desto weniger will man ihr das wirklich antun, zu angespannt und zweckentfremdet klingt der Motor. Dennoch ist der Geradeauslauf mit Koffern auch bei höheren Geschwindigkeiten einwandfrei. Doch wie hoch steht eine hohe Geschwindigkeit auf der Prioritätenliste eines Fernreisemotorrades?  Richtig, ganz weit unten.
Das die KTM dem Motor der Ténéré weit überlegen ist, muss ich nicht weiter ausführen.

Beim Fahrverhalten sehe ich jedoch einen andere aus meiner Sicht die größte Schwäche der Ténéré überhaupt, die merkwürdigerweise nie in anderen Testberichten erwähnt wird. Lastwechselreaktionen. Es ist fast unmöglich gleichbleibend ruckelfrei zu fahren. Am stärksten nimmt man das Verhalten beim Hinunterfahren am Berg war. Wenn die Motorbremse das Motorrad am schneller fahren hindert und man dann versucht Gas zu geben, ist auch bei penibelster Gashand ein stärkeres Ruckeln nicht zu verhindern. Das Problem tritt jedoch auch bei normalem Geradeauslauf auf, wenn der Antrieb bei gleichbleibender Gasdrehgriffstellung zwischen Schub- und Zugbetrieb wechselt und man ständig hin- und herruckelt. Das Verhalten ist äußerst nervig und auch bei sehr vorsichtiger Fahrweise nicht komplett abstellbar. Das Phänomen dürften die meisten Motorradfahrer kennen, fällt hier jedoch unangenehmer auf. Falls jemand einen Hinweis hat, wie sich das Verhalten mindern lässt, wäre ich sehr dankbar für einen Kommentar.

abgenutzte Ruckdämpfer im Hinterrad

abgenutzte Ruckdämpfer

[Update]
Einem Hinweis aus dem deutschen XT Forum folgend, habe ich die Ruckdämpfer mit Stücken Fahrradschlauch verstärkt. Das Verhalten ist nicht vergsesssen, aber deutlich besser geworden. Die Abnutzung nach den ersten 5000 relativ zahm gefahrenen Kilometern ist enorm. Da fragt man sich sich doch, warum da kein anderes Material  verwendet wird.

 

Die Schaltung ist knackig und präzise. Ich kann mich nicht erinnern auch nur einmal einen Gang verfehlt zu haben, nicht reinbekommen zu haben oder zwischen Gängen gelandet zu sein. Auch der Leerlauf ist immer problemfrei gefunden. Sehr gut. Für einen Einzylinder gestalten sich auch die Vibrationen erfreulich zurückhaltend. Mir ist kein Körperteil je eingeschlafen!

Ein positives Kapitel ist auch der Verbrauch. Sie ist recht genügsam und bei freundlicher Cruisingfahrweise genehmigt sie sich etwa 4 Liter auf 100 Kilometer. Auffällig ist lediglich, dass sich der Verbrauch sehr schnell verschlechtert, wenn längere Etappen jenseits 120 km/h zurückgelegt werden. Höhere Geschwindigkeiten wirken sich erheblich stärker verschlechternd aus als bei der KTM. Diese schneidet jedoch mit etwa 7,5 Litern bei sehr zurückhaltender Fahrweise deutlich schlechter ab. Da auch noch der Tank der Ténéré mit 23 Litern recht üppig ausfällt, sind Reichweiten von 500km möglich. Verbrauch und die daraus resultierenden Kosten bzw. Reichweite sind für mich wichtige Kriterien für eine Fernreiseenduro, daher klarer und wichtiger Punktsieg für die Ténéré.

Während man sich zwar über eine große Reichweite freuen kann, ist die Anzeige des Restbenzins sehr unzuverlässig. Zunächst nimmt sie gar nicht ab, dann immer schneller, dann schnellt sie wieder nach oben und dass alles auch noch nach nicht immer gleichem Prinzip. Die Reserveleuchte springt an wenn noch 7 Liter im Tank sind, oft früher. Ich habe es noch nie länger als bis 20 Liter verbrauchten Sprit ausgehalten auf die blinkende Reserveleuchte zu schauen, bevor ich nachgetankt habe. Kein dramatischer Kritikpunkt, aber man wird früher unruhig als nötig, auch nach 5000 Kilometern noch.
Ähnlich ungenau ist auch der Tacho, der etwa 10% von der Realität abweicht, was mir GPS und damit übereinstimmende Geschwindigkeitswarnungen auf beruhigten Straßen bestätigen.

Die Bremswirkung ist widerum einwandfrei, gut dosierbar mit deutlichem Druckpunkt sowohl vorne als auch hinten. Klar besser als bei der KTM.
Das 21 Zoll  Vorderrad entspricht dem gängigen Standard, warum aber ein winziges 17 Zoll Hinterrad montiert ist, ist mir schleierhaft. Während das Vorderrad gelassen auch gröbere Unebenheiten frisst, rumpst man mit der Hinterhand häufig recht unangenehm durch die Löcher, was letztlich die potentielle Gesamtverträglichkeit schlechter Bodenverhältnisse mindert. Schade.

Man sitzt hoch auf der Ténéré, noch höher als auf der KTM und auch ich komme mit 1,90m nicht mehr mit beiden Füßen vollständig auf den Boden (ohne Beladung). Grund dafür ist nicht nur die Sitzhöhe, sondern auch der etwas breitere, weniger sportliche Sitz, der die Beine daran hindert senkrecht nach unten auf den Boden zu reichen. Dieser Nachteil (inklusive dem daraus resultieren Handlichkeitsverlust) wird meiner Meinung nach nicht durch ein Mehr an Bequemlichkeit wett gemacht. Der Sitz ist größer und weicher, aber dennoch rutsche ich nach längerer Fahrt auf einem unglücklichen Hintern, und nach besseren Sitzpositionen suchend, hin und her. Kein Plus! Ansonsten ist das Dreieck aus Sitzfläche, Lenker und Fußrasten einwandfrei und man sitzt erhaben und entspannt in luftigen Höhen. Die Geometrie stimmt und man fühlt sich schnell zu hause. Der Windschutz ist (wie auch bei der KTM) für größere Fahrer einfach zu niedrig. Bei Fahrten über 100 km/h spürt man deutlich den Fahrtwind gegen den Helm schlagen. Hier gibt es im Zubehör entweder eine höhere Scheibe oder einen Aufsatz von Touratech. Ich habe mich für letzteren entschieden und bin äußerst zufrieden mit dessen Wirksamkeit. Ein absolutes Must Have.

Selbstverstärkte Fussrasten

Selbstverstärkte Fussrasten

Wer im Stehen fahren will, sieht sich mit einigen Unzulänglichkeiten konfrontiert. Zunächst einmal präsentieren sich die Fussrasten nach dem Entfernen der Gummikappen hilflos mickrig. Man hat weder guten Halt, noch kann man entspannt längere Zeit darauf stehen. Der Lenker ist auch nach 2.5 cm Lenkererhöhung nicht richtig hoch genug und die Fußbremse auch nach maximaler Verstellung einen Tick zu hoch. Der Lack des Tanks befindet sich in etwa da, wo die Knie Halt suchen und ist einfach zu rutschig. An vielen Kritikpunkten kann man drehen (andere Rasten, Lenker noch höher, Flächen überkleben usw.) aber out of the Box ist sie erstmals enttäuschend.

Zum Fahrwerk und der Handlichkeit. Zunächst einmal ist sie kein Leichtgewicht aber allen Unkenrufen zum Trotz empfand ich nach kurzer Eingewöhnungszeit die Handlichkeit der Ténéré auch in sehr groben Gelände noch völlig akzeptabel. Ich bin kein Verfechter der “Alles muss so leicht wie möglich sein”-Fraktion. Mehr Gewicht heißt in schwerem Gelände zwangsläufig mehr Krafteinsatz und schnellere Ermüdung, aber nicht dass man irgend etwas nicht bewältigen könnte. Außerdem reden hier wir über eine Fernreiseenduro und schweres Gelände steht sehr selten auf dem Programm, daher für mich – geringe Priorität. Leider wendet sich das Blatt bei schwerer Zuladung, der Standardfall beim Einsatz dieses Motorrades in fernen Ländern. Im Gegensatz zur KTM verändert sich die Handlichkeit der Ténéré recht drastisch und man verliert deutlich spürbar an Vertrauen. Insbesondere die Gabel ist viel zu lasch. Leider habe ich mich zu sehr von der Handlichkeit ohne Zuladung überzeugen lassen und mich gegen progressive Federn und Federbein entschieden. Dann auf der großen Fahrt, war es für kurzfristige Änderungen zu spät. Aber es geht natürlich auch und man gewöhnt sich daran. Im direkten Vergleich mit der KTM unterliegt die Ténéré jedoch um Dimensionen. Die KTM lässt sich von keiner Zuladung beeindrucken und verhält sich stoisch gleichbleibend auf sehr hohem Niveau. Ebenfalls unbeeindruckt ist die KTM im Geradeauslauf  von jeglichen Straßenunebenheiten oder Längsrillen, während die Ténéré viel williger auf Bodenveränderungen reagiert. Bei Staugedrängel zwischen Autoreihen auf schlechten Straßen ist das besonders spürbar. Die Ténéré fühlt sich sehr leicht und etwas zu wackelig im Vorderrad an und weicht schon beim Überqueren von Längsfahrbahnmarkierungen von der idealen Geradeauslinie ab, was dazu führt das man recht nervös ständig mit Lenkeinschlägen korrigieren muss. Im Gegenzug ist der Lenkeinschlag sehr weit und es lässt sich auch auf engen Straßen noch ohne Vor- und Zurückgeschiebe wenden. Die KTM ist ein Panzer im Vergleich.

Was fällt sonst noch auf. Den Auspuff umgibt eine Verkleidung, die mehr als nur optischer Schnickschnack ist, da sie nur handwarm wird. In der Mulde etwa zwischen den Kofferträgern und der Auspuffverkleidung passt äußerst praktisch genau eine Plastewasserflasche hinein, für die sonst immer kein richtiger Platz vorhanden ist und dadurch auch leicht zugänglich bleibt. Trotz direktem Kontakt mit dem Plaste, schmilzt die Flasche nicht. Die geringe Hitzeentwicklung gefällt auch einem Sozius.
Leider gibt es kein Stauraum (die KTM hat zwei kleine aber praktische Staufäche) und das mitgelieferte Werkzeug ist hoffnungslos unvollständig, vermutlich weil im vorgesehenen Werkzeugfach einfach kein Platz vorhanden ist. Nun ja, als Fernreisender ist man eh angehalten das mitgeführte Werkzeugsortiment aufzustocken.

Ein paar Worte zum Zubehör.
Den Plastikmotorschutz habe ich gegen einen Aluschutz von OTR ausgetauscht. Dieser macht einen sehr stabilen Eindruck und hat schon diverse Male ein beruhigtes Lächeln beim metallenen Geräusch einschlagender Steine erzeugt. Leider ist er auch sehr anfällig für Vibrationen und Nebengeräusche aller Art. Insbesondere eine Art Resonanzsingen konnte ich nur Abstellen, nachdem ich einen plastenen “provisorischen” Schwingungsdämpfer zwischen Motorschutz und Motorblock geklemmt habe. (Ganz zu Schweigen von der Zeit die man verwendet um die Geräuschquelle erstmals ausfindig zu machen) Schade auch, dass der Schutz nicht die aussenliegende Wasserpumpe mit abdeckt. Hier gibt es sicher bessere Alternativen auf dem Markt. Aussehen tut er aber mächtig abenteuerendurmäßig :) .

Als Tankrucksack verwende ich den Enduristan Sandstorm. Dieser passt super, sitzt fest, ist wasserdicht und stufenlos verstellbar. Kurz, eine sehr gute Kaufentscheidung und vermutlich der beste Tankrucksack den ich je besessen habe.
Gepäckhalterung und Koffer kommen ebenfalls von OTR. Auf die Diskussion Koffer oder nicht, will ich mich nicht einlassen, für mich überwiegen die Vorteile. Die Halterung macht einen äußerst stabilen Eindruck, insbesondere im Vergleich zur Hepco & Becker LockIt Variante (Ich wollte zunächst meine alten Gobi Koffer verbauen), der ich einfach keine Stabilität zugetraut hatte und die OTR freundlicherweise wieder zurückgenommen hat. Der OTR-Träger sitzt bombenfest. Die Koffer haben noch keinen Sturz überleben müssen, sitzen aber zunächst ebenfalls ohne jegliches Spiel verankert und trotzdem spielend leicht abnehmbar am Träger. Die Montage erfordert etwas Bastelei, da die Befestigung selbst an die Koffer gebohrt werden muss, aber der Aufwand lohnt sich. Lediglich die verwendeten Schrauben sind völlig inakzeptabel und tendieren schon beim Anschrauben zum Abreissen. Eine ist mir auch bereits während der Reise abgebrochen :( . Der einzige bisherige Defekt!

Als Handprotektoren habe ich mich für die hoffnungslos überteuerten Yamahaprotektoren entschieden, nachdem ich verzweifelt versucht hatte Acerbisprotektoren aus dem Zubehör anzubringen. Ohne größere Eingeständnisse an die Hebelstellung hätte ich diese nicht anbekommen. Die Yamahaprotektoren sehen gut aus, passen perfekt und bringen vor allem alternative Gewichte an den Enden mit, die die Originalgewichte ersetzen und Vibrationen verhindern. Zu teuer, aber gut!

Ich liebe die große Gepäckbrücke von Touratech! Sie sieht etwas ungewohnt groß aus, wenn man sie frisch verbaut hat, aber ist sehr hochwertig und irre praktisch. Meiner Meinung ein Muss.

Des weiteren habe ich noch den Hauptständer von SW-Motech verbaut. Für mich führt kein Weg am Hauptständer vorbei. Ja, wieder ein nicht unerhebliches Mehr an Gewicht, aber für Kettenpflege, Rad/Reifenwechsel und manchmal einfach den besseren Stand äußerst praktisch. Montage und Betrieb waren einwandfrei und das Aufbocken geht spielend leicht. Für mich auch immer wichtig, er klappert nicht und macht sich auch sonst nicht negative bemerkbar. Gut!

Fazit:

Sie ist nicht fehlerfrei und sicher auch nicht jedermanns Sache. Sie will eine Fernreiseenduro sein und patzt an einigen Stellen, aber nicht an den Wichtigen. Im Vergleich mit der KTM muss sie sich in der überwiegenden Anzahl der Disziplinen geschlagen geben, aber nicht in den Wichtigen. Lässt man den Preis außen vor, wird die KTM die Nase vorn haben, aber ist sie doppelt so gut? Denn das ist beinahe der preisliche Unterschied und letztlich für mich der finale Kaufentscheid zu Gunsten der Ténéré gewesen. Bislang ohne Reue.

Wichtig ist, dass sie 5000 Kilometer ohne Defekt, ohne jeglichen Öl/Wasser- oder Luftverbrauch, ohne unangenehme Überraschungen oder neue Geräusche gefahren ist. All paar Tage widme ich der Ténéré eine Inspektion und finde nichts was es tun gäbe, nichts was man nachfüllen müsste, nichts was festzuschrauben oder einzustellen wäre. Sie tut was sie soll und vermittelt bislang ein ungetrübtes Vertrauensgefühl, ein zuverlässiger Partner in der Ferne. Am Ende ist nichts wichtiger für eine Fernreiseenduro als die Zuverlässigkeit und im Falle eines Problems die Reparierbarkeit. Die KTM konnte mir nie dieses Gefühl geben. Es gab immer ein unterschwelliges und letztlich nicht unbegründetes Unbehagen. Ob die Ténéré weiter hält was sie verspricht, wird sich in den kommenden 5000 km durch die Türkei und Iran zeigen. Nach 10000 km werde ich eine weiteres Resümee ziehen. Ich bin gespannt.

 

Angekommen in Istanbul

Angekommen in Istanbul

15 Antworten zu “Tenere XT 660 Z (no ABS) 5000 km review”

  1. Ein schöner Bericht zu einem schönen Motorrad (naja, nicht optisch…)!

  2. Ein herzliches Moin Moin!

    Ich wollt mich mal für den tollen und ehrlichen 5000km Bericht zur Tenere bedanken. Ich plage mich seit einiger Zeit mit dem Gedanken eine zu kaufen. Allerdings bin ich mit meiner Transalp ziemlich zufrieden und weiß halt nicht was die Tenere besser kann. Mich stört vor allem das schlechte Federbein und die miese Bodenfreiheit der Transalp. Ich bin die Tenere vor neun paar Jahren auch schon mal Probe gefahren aber das muss ich wohl wiederholen.

    Kompliment zur Homepage. Gefällt mir gut.

    Beste Grüße.

    Björn

  3. Hi Björn,

    Schön, dass dir der Bericht gefällt.
    Da fällt mir auf, dass ich den 10k Bericht schuldig geblieben bin.
    Im Grunde aber gibt es dem ersten Bericht nicht viel hinzuzufügen. Mittlerweile hat sie 17000 Kilometer hinter sich und es gab keine erwähnenswerten Probleme.

    Ich würde sie immer noch empfehlen und auch wieder kaufen.

    Gruß,
    migo.

  4. Moin migo,

    einen Klasse-bericht hast Du da abgeliefert und vor allem sehr praxisbezogen ohne irgendwelche, Ego-Gelaber.
    Super! :-)

    Meine 2008er Tenere ist in großen Teilen so ausgerüstet wie Deine und kann daher Deine Meinungen über verschiedene Teile absolut zustimmen.

    ciao

    Eggi

  5. Sehr objektiver Bericht. Anschaulich und nicht mit (Angeblichen)Testerallüren. Bestärkt mich im Kauf der Maschine im APRIL dieses Jahres.Aufschlußreich und im Vergleich mit den Berichten in den verschiedenen Foren grundehrlich.Mich wundert, das nicht mehr Resonanz auf diesen Bericht kommt.
    Danke und all the best…

    JENS

  6. witzig finde ich dass man sich als Tenere-Treiber in manchen Aussagen wiederfindet; das lange Suchen nach den Geräuschen mit dem Verdacht eines Lagerschadens, das man mit dem OTR Motorschutz gratis dazu bekommt.
    Ich kann bestätigen dass die Acerbis Protektoren zwar passen wenn man die Endgewichte abnimmt und aussen wieder mit längerer Inbus wieder drauf schrauben kann, aber der Kupplungshebel schleift an der Innenseite stark, so ist die Anschaffung der Original Yamaha Protektoren zwar teuer aber sinnvoll.

    Ich fahr die DM02 aus 2009 und hab nun 40.000 Km drauf, ohne Probleme, die vom Mopped kommen, sondern von mir:
    Ölablass Schraube überdreht, geht schnell, vor allem wenn man die viel zu kurze Magnetschraube aus dem Zubehör verwendet, das einkleben der Ventillösung von OTR mit Flüssigmetall von Uhu brachte beste Ergebnisse und ist absolut dicht und zu empfehlen.

    Und die Kolben der Brembo Brenszange rechts waren fest, Yamaha will eine komplette Brenzszange verkaufen und bietet keine Ersatzkolben an, 300.- Euro waren mir zuviel, an Druckluft angeschlossen kamen die Kolben dann doch raus und wurden poliert, alles gesäubert und bremst wieder bestens, wobei die Verarbeitung von Brembo zu wünschen übrig lässt, innen sieht man unsaubere Bohrungen und man sollte die Bremszangen doch mal aufmachen und gut durchspülen.

    Ansonsten bietet die XT mehr Spaß als ein Pseudoenduroding das nur durch die aufrechte Fahrweise und der Adventure Optik an Enduro erinnert, aber viel zu schwer ist um im Alltag mithalten zu können.

    letzten Sommer bin ich mit der Tenere Strecken von 600Km am Tag problemlos gefahren, auch mit Autobahnetappen drin, die man erstaunlich gelassen fahren kann, auch mit 48 PS.

    Grüße

    Uli
    Ostwestfalen

  7. Hi,

    guter Bericht!
    Ich fahre die selbe. Was denkst du was sie nach 1.000 Kilometern an Öl verbraucht?
    Würde mich einfach mal interessieren.

    Vielen Dank

  8. Hi Chris,

    Fast nicht messbar würde ich sagen. Ich habe das Öl jetzt zwei mal bei etwa 10k Kilometern gewechselt und dazwischen nie nachgefüllt, aber immer mal wieder den Stand überprüft.
    Mag sein, dass es etwas runtergegangen ist, aber wenn dann nur unwesentlich.

    Ich bin aber auch ein recht zahmer Fahrer muss ich dazu sagen :) .

    Viel Spass beim Fahren noch,
    migo

  9. Hi Jungs,
    bin gerade von meiner letzten Reise durch A, SLO, I, zurück. Der Tacho meiner Tenere zeigt jetzt knapp 18.000km an. Bis zum heutigen Tag hat mich das Motorrad nie im Stich gelassen. Mit meinen 1,93m sitze ich sogar besser als auf meiner 1100GS. Bin gestern 840km am Stück gefahren, davon 300 AB, da kommt die Sitzbank schon an ihre Grenzen (vielleicht liegt es aber auch an meinem Hinterteil). In o.g. Ländern lag der Offroadanteil bei ca. 40%. Teilweise gefahren mit voller Zuladung an Gepäck. Es ist erstaunlich, welche Strapazen dieses Teil ohne Schwäche zu zeigen durchsteht. Als Bereifung habe ich mich für den Heidenau K60 Scout entschieden. Meiner Meinung nach ein toller Kompromiss zwischen On-und Offroad sowie Laufleistung (zudem noch als Winterreifen zugelassen). Zusätzlich angebaut wurden von mir Handprotektoren von Acerbis sowie der original Alu-Motorschutz und der original Sturzbügel aus Stahlrohr für den Motor. Die beiden zuletzt genannten Teile sind jeweils nach ca. 3000km an ihren Befestigungspunkten durch Vibrationen abgerissen. Und das machen sie seitdem regelmäßig. Da ist einfach die starre Verschraubung das Problem. Hier sollte sich Yamaha unbedingt mal eine andere Lösung einfallen lassen. Der Ölverbrauch meiner Maschine ist nicht messbar, praktisch Null. Ich fahre meist im Bereich von 3000 bis 5500 U/min. Ich finde das Motorrad gut. Es ist kein PS-Protz und auch kein Leichtgewicht. Damit kann man kein Rennen gewinnen und auch keinen Moto-Cross Wettbewerb. Es ist einfach ein robustes und zuverlässiges Fernreisemotorrad, welches absolut alltagstauglich ist. Einige sagen es ist langweilig. Allerdings habe ich eher Langeweile empfunden wenn ich oft minutenlang irgendwelchen Startversuchen anderer Mitfahrer zusehen musste. Diese wiederum freuten sich natürlich wie ein Schnitzel, wenn sie nach einer Offroadfahrt mal 30 Sekunden Vorsprung hatten…

    Gruß Matthias

  10. H Mathias,

    Klingt gut dein Bericht. So etwa würde ich das auch unterschrieben. Mein “Off the road”-Motorschutz hängt aber noch dran und vermittelt bis heute (20k km) das Gefühl absoluter Unverwüstlichkeit.

    Bist du in einer organisierten Tour gefahren? Mit wem? Wie wars? Überlege auch immer mal wieder sowas zu probieren.

    Gruß,
    Gordon

  11. Hi Gordon,
    nur mal kurz zu Deiner Frage, es war keine organisierte Tour. Organisierte Touren sind mir zu teuer, meist wohnt man dann in einem Hotel, hat Halbpension und muss immer schön dem Guide folgen. Es macht mir einfach mehr Spaß selbst zu entscheiden wo ich fahren möchte. Oft ist nur das Zielgebiet grob festgelegt, die Strecken werden dann unterwegs ausgetüftelt. Die Basislager sind auf einem Campingplatz oder es wird wild gecampt und selbst gekocht… Hat eben jeder so seine eigenen Vorlieben. Diesmal waren wir übrigens nur zu zweit unterwegs.

    Gruß Matthias

  12. Hi,

    Ja, dass klingt genau wie meine Reisen üblicherweise ablaufen :) . Und vermutlich werde ich auch meine nächste wieder so angehen. Eine Einschätzung von jemandem der Beides kennt würde mich dennoch interessieren. Mit der richtigen Gruppe macht so etwas sicher auch Spass, aber das besondere einer Individualtour ist letzlich ja immer auch das Unvorhersehbare, aus dem das Abenteuer entsteht.
    Ich weis nicht inwiefern dafür noch Raum in einer professionell organsierten Tour ist.

    Gordon

  13. Hallo,
    hier mal etwas zum Ölverbrauch.

    Meine 2010er Tenere (Km-Stand 28500) hat bei ca. 9000km angefangen Öl zu verbrauchen, so 0,25-0,5L/1000km, manchmal sogar mehr (und unabhängig von der Fahrweise), bis dahin praktisch nichts. Da es plötzlich angefangen hat ging ich mit dem Problem zum Yam-Händler. Nach Aussagen von Yamaha (sowohl Händler als auch von Yamaha Deutschland) ist ein Ölverbrauch von bis zu 1Liter / 1000km zulässig (was für eine 1-Zylinder viel zu viel ist) warum es auch nicht unter die Garantie fällt und Yamaha einem im Regen stehen lässt. Auch der Wechsel von 10W40 auf 15W50 brachte nichts. Da ich hier und auch sonst in Foren usw. nie über Ölverbrauch lesen konnte vermute ich irgendeinen Defekt (Ventilschaftabdichtung z.B:?) jedoch müsste ich das öffnen des Motors auf eigen Kosten machen lassen.
    Seither fülle ich ständig nach, auf Tour praktisch jeden Tag und Öl muss auch ständig mitgeführt werden. Da ist schon sehr nervig, vor allem bei der schlecht zugänglichen Einfüllöffnung. Ein Tenere-Mitfahrer (schon üner 50.000km) brauchte nie Öl.

    es ist schade das hier Yamaha überhaupt kein Interesse zeigt -ich glaube nicht das es normal sein kann- denn ansonsten bin ich recht zufrieden mit dem Motorrad.

    Peter

  14. Moinsen Migo,

    klasse Bericht über die Tenere aber auch über deine Reisen. Ich habe die ABS-Version Bj 2011. Ich würde bei der non ABS Version mit meiner 1.70 Größe nicht mal am Kantstein den Boden berühren. Ich habe jetzt 14 TKm und toi toi noch kein Ärger, würde ich wieder kaufen.
    Wenn du mir deine Email schreibst, kann ich dir paar Bilder schicken wie ich die Mitnahme der Wasserflaschen gelöst habe.
    Mich würde aber noch mehr interessieren wie du aus dem Nahen Osten zurück gekommen bist. Hast du dein Moped aus Dubai per Schiff zurück geschickt.

    Danke im Voraus und noch viele tolle Reisen.
    Gruß
    Kudret

  15. Hi Kudret,

    Ja, ich bin 1,90, da fühlt sich die non ABS-Version gerade richtig an.

    Eigentlich wollte ich aus Dubai über Saudi Arabien zurückfahren, aber trotz 5!-maligen Botschaftsbesuchs, wurde mir die Durchreise verweigert.
    Eigenständig rumfahrende Motorradtouris wollten sie nicht haben. Sehr Schade.
    Am Ende habe ich den einfachen Weg gewählt und sie zurückverschifft. Naja ganz einfach war das auch nicht, aber heute ist sie wieder wohlbehalten zurück in Deutschland.

    Dir auch schöne Reisen mit der Tenere,
    Gordon

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