Die Doerfer am Strassenrand nehmen zunehmend den bekannten Lehmcharakter an, den man aus Mali-Bildern kennt. Um den aus Lehmziegeln bestehenden Grundbau wird Lehm mit weichen Formen verputzt. Insbesondere im Dach- und Tuerbereich finden sich haeufig weich geformte Verzierungen. Der Islam ist hier wieder staerker praesent und man sieht zu den Gebetszeiten Gruppen von Leuten hinter einem Gebetsleiter vor den Haeusern beten. Auf dem Weg entlang des Flussverlaufs des Niger nordoestlich von Bamako ist die Landschaft recht abwechslungslos, maessig gruen mit vielen Strauchgewaechsen und wenig Baeumen und da die Strassen schlaglocharm sind, kann ich meine Gedanken wieder fliegen lassen oder dem aktuellen Tagestao widmen.
Segou die naechste groessere Stadt auf dem Weg ist ein typisches Beispiel kolonialer Stadtplanung mit grosszuegiger Platzausnutzung und herschaftlichen Gebaeuden umgeben von durchlaessigen Mauern aus Stein. Wie so oft, hat sich auch hier der Verfall den Haeusern angenommen und truebt den sicher einst praechtigen Eindruck erheblich. Die meisten Gebaeude werden zwar genutzt, aber fuer den Erhalt wird sehr wenig getan. Ansonsten ist Segou eine sehr sympatische Stadt entlang des Niger, mit einem geschaeftigen Marktreiben im Zentrum, freundlichen und wenig aufdringlichen Einwohnern und ein Ort der  Entspannung nach der konzentrierten Anstrengung, die einem Bamako abverlangt.

Wie auch Senegal ist Mali fussballbegeistert und in allen Orten finden abends auf den Sandplaetzen Spiele unter recht schwierigen Bedingungen statt. Die Temperaturen sind dann zwar ertraeglich, aber der durch 44 Fuesse aufgewirbelte Staub ist immens. Waehrend die untergehende Sonne der Staubschlacht etwas Weltuntergangsstimmung einhaucht, kann man den Staubgehalt in der Luft nicht nur sehen, sondern auch riechen und sogar schmecken. Aber ich vermute wenn man durch Bamakos Strassen joggen kann (unglaublich, das Leute sowas machen, habs aber oefter gesehen), dann ist das bischen Staub am Ende das Tages auch nicht mehr dramatisch. Die haeufigste Reaktion wenn ich bekanntgebe dass ich Deutscher bin, ist uebrigens – Ballack.

Kinder in Niamana

Auch der Besuch des zweiten Schulprojektes in einem sehr kleinen Ort namens Niamana erwiess sich als lohnenswerter Ausflug abseits touristischer Pfade. Bei dem bereits abgeschlossen finanzierten Projekt handelt es sich um die Erweiterung einer Schule um Klassenzimmer und deren Einrichtung. Gluecklicherweise befand sich vor Ort ein Muenchener Schreiner namens Jens (http://www.oekoschreiner.de), der hier den Bau der Schulbaenke beaufsichtigt und mich herzlich empfing. Jens verbrachte hier bereits 5 Wochen und konnte durch die direkte Integration ins doerfliche Leben einen sehr nahen Eindruck der Lebensweise vor Ort gewinnen und unschaetzbare Erfahrungen sammeln. Zu meinem Vorteil durfte ich dadurch vieles aus erster Hand erfahren, woran man sonst nur vorbeifaehrt bzw. hinter dem Visir aus der Ferne betrachtet. Mein kurzer Aufenthalt vom Nachmittag zum naechsten Morgen war sicher auch fuer Jens eine willkommene Abwechslung, um Eindruecke zu teilen bzw. jenseits gebrochener Worte in Bramana bzw. Franzoesisch auch mal wieder ganze deutsche Saetze loszuwerden. Auch hier sprengt die Summe meiner Erfahrungen den Rahmen dieses Blogs, aber die am staerksten gebliebenen Eindruecke sind die vielen Kinder, die uns neugierig hinterherliefen, fotografiert werden wollten, uebers ganze Gesicht laechelten, ueber eine Mauer schauten und Bonjour riefen oder sich in riesiger Anzahl um mein Motorrad versammelten und dieses fasziniert anstarrten, um dann beim Anlassen des Motors raunend auseinanderzuhuepfen. Das Leben ist sehr einfach und reduziert, stoesst aber auf auffaellige, moderne Ausnahmen. Selbst hier hat das Handy Einzug in die stromlosen Lehmbauten gehalten und um diese zu betreiben, bringen die Dorfbewohner ihre Handys zum Hof des Buergermeisters, um sie mit der dort vorhandenen Solarzelle aufzuladen. Abends sitzen alle eng gedraengt vor einem winzigen Fernseher um die hier allseits beliebten Seifenopern zu schauen. Jenseits dieser Ausnahmen ist das Leben sehr doerflich, die Frauen putzen und kochen und die Maenner kuemmern sich um die Felder. Mein Feedback zum nicht vollstaendig ungetruebten Eindruck der Hilfsprojekte findet der Interessierte wieder auf betterplace.

grosse Moschee in Djenne

An der Stadt Djenne kommt der durchreisende Tourist kaum vorbei, denn es beherbergt eines der Highlights Malis, den groessten Lehmbau der Welt und ist selbst nahezu ausschliesslich aus Lehmbauten errichtetet. Die Waende sind schief und poroes, die Strassen eng und verwinkelt und alles ist in ein Einheitsgrau getaucht, der Farbe des Lehms aus dem Bani, dem Fluss am Rande der Stadt. Lehm ist kein bestaendiger Werkstoff und das Ausbessern der Haeuser ist eine jaehrliche Aufgabe, die nach jeder Regenzeit noetig ist, um dem Verfall der Gebaeude entgegenzuwirken. Gleiches gilt natuerlich auch fuer die grosse Moschee und einmal im Jahr an einem Tag nehmen sich hunderte von Einwohner, aber auch Angereiste, dieser Aufgabe an, ziehen zum Fluss, holen Schlamm und helfen die Moschee zu bewahren. Die igelartig herausstehenden Holzplanken, die der Moschee das besondere Aeussere verschaffen, sind uebrigens nichts anderes als ein permanentes Baugeruest. Das Betreten des Inneren der Moschee ist Nichtmoslems untersagt und an allen Eingaengen sind grosse  Hinweisschilder platziert. Wie so oft handelt es sich allerdings auch hier lediglich um ein geringfuegiges, finanziell ueberwindbares Hindernis und damit durfte auch ich in den Genuss der Innansicht kommen.

Wie schon angemerkt ist Mali das Herz der westafrikanischen Musik und so reise ich hier mit besonders offenen Ohren, um moeglichst viel auf- und mitzunehmen. Kenner werden die musikalischen Groessen Malis Ali Farka Toure oder Salif Keita bereits kennen, doch neben diesen gibt es natuerlich ein grosses Spektrum weiterer Kuenstler. Wer sich dafuer interessiert, der kann auf meinen last.fm Seiten einen Teil der Musik die ich hoere, mitverfolgen. Wer sich nicht dafuer interessiert, dem sei ans Herz gelegt mal reinzuhoeren, denn die Musik hier hat eine besondere Kraft und Schoenheit, ist verwurzelt in den musikalischen Traditionen und beschreibt Westafrika um Dimensionen besser, als ich dies jemals mit Worten tun koennte. Wer sich in die Musik hier einfuehlen kann, ist schon fast hier :) . Versuchts mal, es lohnt sich wirklich. Hier mal eine kurze Liste, was mir so zu Ohren gekommen ist; Boubacar Traore, Baaba Maal, Toumani Diabate, Habib Koite, Rokia Traore und natuerlich die oben erwaehnten. Wer sich in die Musik verlieben sollte, der kann auch gleich ein Flugticket nach Mali buchen, denn im Januar (glaube um den 10.) findet hier das Desert Musik Festival 60 km entfernt von Timbuctou statt. Wie der Name schon sagt, findet es mitten in der Wueste statt, ist neben einigen anderen das groesste Festival im westafrikanischen Raum und duerfte sicherlich eines der aussergewoehnlichsten und imposantesten Festivals ueberhaupt sein. Fuer mich ist das leider etwas zu spaet, denn so lange kann ich hier beim besten Willen nicht bleiben, es sei den gesundheitliche oder technische Ausfaelle zwingen mich dazu und so werde ich meinen Festivalbesuch wohl auf eine andere Reise verschieben muessen.

Angekommen bin ich mittlerweile in Mopti in der Naehe der Grenze zu Burkina Faso und dem nach wie vor sehr traditionell lebenden Volk der Dogon. Fuer die kommenden Tage ist ein kurzer Besuch im Falaise de Bandiagara, dem Gebiet der Dogon geplant, um dann weiter Richtung Sueden nach Burkina zu fahren. Ahja, Geoff und Mark habe ich uebrigens hier wieder eingeholt, die nach einem 5-taegigen Ausflug nach Timbuktu hier auf mich gewartet haben. Die Probleme mit dem Motorrad konnte ich trotz 5-stuendigen Reparaturversuchs zusammen mit Geoff nicht loesen und so bleibt mir nur die Hoffung, dass ich die etwa 1500 km bis nach Lome, wo der einzige KTM-Haendler in Westafrika sitzt,  ohne weitere Probleme ueberstehe.

Update:
guckt euch mal meine neue Motorradfront an hehehe :)

5 Antworten zu “entlang dem Niger”

  1. super cool maus. komm dann mit zum festival. kenne nur salif keita, ali farka toure und habib koite. höre aber grad afel bocoum & alkibar – glaub das ist ein neffe oder so von ali farka toure. der kommt wohl aus einer riesen familie von musiker. denk an dich und fahre jetzt zu MES durch den restschnee xo

  2. Yeah .. das nenne ich einmal ein Motorrad !! (Hat mich auf den ersten Blick an MadMax erinnert – wohl aber etwas zu weit hergeholt).

    (nachdenk’) .. Schutzgott, Jadgtrophäe oder Mutation?
    Letzteres würde auch erklären, warum das Motorad in den vergangenen Wochen so merkwürdige Geräusche gemacht hat (lach).

    Ich finde es gut, wie phantasievoll du dich so langsam aber sicher um Ersatzteile für deine Maschine bemühst .. bin gespannt wo das hinführt, kt

  3. Hoffe die coole Maske hilft der KTM sich stehts an ihre Pflichten zu erinnern :) Nur um ganz sicher zu gehen drücke Dir auch mal die Daumen. 1500km sind doch eine Kleinigkeit ;)

    Danke für deine absolut spannenden Berichte. Ich hoffe noch viel von Dir zu lesen.

    Micha.

  4. mensch migo, dein motorrad wird immer cooler! habe jetzt schon das bild vor augen, wie du mit deiner gepimpten afrika-maschine durchs eisige berlin fährst!
    grüsse von ellen

  5. Hallo,
    bin durch Zufall auf deine Seite gekommen aber auch nicht wieder weg gekommen.Es ist sehr inter.was du so schreibst, denn bezüglich Angola kann ich das nur nachvollziehen und bestätigen was du schreibst. Lebe seit nunmehr 9 Monaten in Luanda und man kann nur sagen das hier alles haevy ist. Muss alle paar Monate für 2 Wochen raus sonst bekommt man die Angolamacke sagen wir immer hier.Bin beruflich hier und leider fehlt mir der Mut hier Moped zu fahren.Habe selbst eine Triumph zu Hause stehen die ich doch gern ab und an gern fahren würde.Aber naja man muss Abstriche machen.Ich ziehe meinen Hut, dass du quer durch Afrika bist mit deiner Kiste dafür mein RESPECT.Liebe Grüße Annett

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