Lotfollah Moschee

Lotfollah Moschee

Mit beachtlichem Umweg Richtung Nordosten, mache ich mich auf den Weg Richtung Esfahan, der Perle des Orients. Die Aussage bezieht sich in erster Linie auf den zentralen riesigen (weltweit zweitgrößten) Platz, den Dashq-e Jahan und in der Tat, man spürt sofort das Besondere. Umgeben von zwei der schönsten Moscheen der Welt und hunderte kleiner Handwerkerläden, die zum Bummeln einladen, kann man ohne Probleme einen guten halben Tag allein hier verbringen. Die Imam Moschee gehört sicher zu den beeindruckendsten Gebäuden, in die ich je meinen Fuß gesetzt habe. Eine atemberaubende Vielfalt der typisch blauen Fliesenmuster, ist hier in verschwenderischer Menge zu bewundern. Ich befinde mich allein in der großen Haupthallte, spiele mit schnalzenden Zungenlauten mit dem Echo und genieße die grandiose Akkustik. 12 Echos kann man wohl hören, über dreißig sind technisch nachweißbar.

Dashq-e Jahan

Dashq-e Jahan

Sehr schade!, dass es keine Cafes oder Restaurants auf dem Platz gibt. Cafes sind als Orte des Müßigganges von der religiösen Führung (nicht ganz offizielle Interpretation) ungern gesehen und wurden in den vergangenen Jahren geschlossen. Auch die ehemals in großer Vielzahl vorhandenen Teestuben um den weiter südlich gelegenen Fluss sind alle zu. Ich habe auch immer noch keine guten Essensoptionen für mich entdeckt. Auf der Straße gibt es nichts außer unattraktive Wurst- und Fleischimbisse bzw. Pizza und Burgerläden, beides in unterdurchschnittlicher Qulität. Die wenigen Restaurants, die teils schwer zu finden sind, bieten, wenn überhaupt, ein einziges vegetarisches Gericht an. Dieses besteht lediglich aus einer akzeptablen Auberginenpaste und Brot. Wenig aufregend. Auch den Fleischesern dürften die Kebabs langsam aus den Ohren kommen. Ab Shiraz findet man wenigstens Samosas mit Kartoffelfüllungen und Falafelbrote. Mehr als einmal gehe ich hungrig und unzufrieden ins Bett.

Esfahans Basar ist eine der besten Möglichkeiten einen persischen Teppich zu erwerben. Mit etwas stümperhaften theoretischen Vorwissen wage ich mich in einen der größeren Läden und befinde mich nach kurzer Zeit in einem recht professionellen Verkaufsgespräch. Ein Teppich nach dem anderen wird aufgefaltet und präsentiert, für gut befunden oder ausgeschlossen und nach einer halben Stunde habe ich tatsächlich das recht gute Gefühl in all der Vielfalt zu einem Stück vorgedrungen zu sein, das mir zusagt. Ein preisgünstiger Nomadenteppich startet im Verkaufsgepräch dennoch bei 600 € und ich hab ehrlich gesagt nicht die geringste Ahnung was er wohl tatsächlich wert ist. Am Ende zahle ich mit 350€ vermutlich immer noch zuviel, aber das Bauchgefühl ist ein gutes und darauf kommt es an. Von nun an bin ich um einiges schwerer beladen, aber bei absehbar zwei verbleibenden Stationen ist die Mühe überschaubar.

Relief in Persepolis

Relief in Persepolis

Nach Shiraz kommt man in erster Linie wegen Persepolis, der ehemaligen Prunkstadt des ersten persischen Reiches. Als eines meiner lang geplanten Tourhighlightes ist es zunächst etwas ernüchternd. Ein Haufen alter Steine, der einem einiges an Phantasie abverlangt, um die ehemalige Pracht zu erahnen. Überragend aber sind die außergewöhnlich gut erhaltenen Reliefs in den Wänden der Gebäude. Insebesondere wenn man bedenkt, das diese vor gut 2500 Jahren dort eingehämmert wurden.

Achämidengräber

Achämidengräber

Beeindruckender empfand ich die in den Fels gehauenen Gräber der vier größten Herrscher der Achämeniden, die kaum von ihrem ursprünglichen Aussehen eingebüßt haben. Die Perser waren Zoroastrier und bestatteten ihre Toten auf sogenannten Türmen des Schweigens in denen die Leichen von Geiern und Vögeln zerlegt wurden. Die Grüfte der Könige enthielten demnach nur die Knochen der Herscher. Der Ort strahlt eine Ruhe und Ewigkeit aus.

Durch die recht wenigen Kontakte zu anderen und den reibungslosen, fast unspäktakulären Ablauf fallen die Eindrücke im Vergleich zur Wüstenetappe und vorallem zu meinen bevorstehenden Erlebnissen etwas zurück und das obwohl ich gerade hier die stärksten Impressionen erwartet hätte. Es kommt eben immer anders als man denkt! Ich bin derweil bereits in Bandar Abbas am persischen Golf angelangt. Mehr dazu gibt es schon sehr bald!

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