Als ich vor einem Monat losfuhr, hatte ich bereits das bestimmte Gefuehl, dass ich nicht ohne groessere technische Probleme in Kapstadt ankommen wuerde. Irgendwo in der Magengegend spuerte ich, dass mich die KTM irgendwo im Stich lassen wird.  Die Frage war nur wo und mit welchem Problem.
Fragen dich ich leider jetzt beantworten kann.

Inspektion im Hotelhof umgeben von Mechanikern und Neugierigen

Ich bin in Ziguinchor, Senegal und das Motorrad ist mit lauten sehr unangenehmen Tickgeraeuschen und leuchtender Oellampe in den Streik getreten. Das Problem hatte sich bereits angedeutet und ich hatte dazu einen Thread im KTM Forum gestartet (nur fuer technisch interessierte: http://forum.lc8.info/viewtopic.php?t=14117&start=0) . Mit bisher 43 Antworten und ueber 2200 Aufrufen habe ich in der KTM Fahrgemeinde viel Sympathie und Hilfsbereitschaft erfahren. Auch wenn es mich bisher nicht zur Problemloesung gefuehrt hat.
Das bisher vermeintlich kleine Problem hat sich aber ueber Nacht zu riesiger Groesse aufgeblaeht und steht nur vor mir wie eine unueberwindbare Mauer. Eine Weiterfahrt ist unmoeglich und ich sitze bis auf weiteres in Ziguinchor fest. Neben dem KTM Forum bin ich in Kontakt mit dem Top KTM Spezialisten Rainer Knoll von KTM Sommer, dem Mechaniker von KTM Berlin, der bereits einige gute Vorschlaege hatte, und KTM Toni, dem einzigen KTM Haendler in Westafrika. Letzterer ist soger Oestereicher, sitzt aber leider in Lome, Togo und damit sehr weit weg. Zur Loesung des Problems stehen mir weiterhin das 400 Seiten starke KTM Reparaturhandbuch (in das ich gucke wie ein Schwein ins Uhrwerk) zur Verfuegung, sowie etliche Helfer, die mich jeden Tag umringen und behaupten sie seien Mechaniker und auf jede Gelegeheit warten mir den Schraubschluessel aus der Hand zu nehmen und irgendwas selber zu machen. Kleiner Lichtblick in dieser Menge ist ein Mechaniker der zumindest an vielen anderen groesseren Motoraedern geschraubt und 6 Jahre in Kanada gearbeitet hat. Nichtsdestotrots ist das Problem ein sehr LC8 Motor spezifisches und der Motor sehr modern und irgendwie traue ich ihm das nicht zu.
Die Arbeitsbedingungen sind auch nicht ganz ohne. Gestern morgen bin ich zur Oelwechselstelle gefahren, um nochmals das Oel zu tauschen und und ggfs. den Filter zu saeubern. Waehrend des bei der KTM etwas langwierigen Prozesses, stand ich inmitten der Abgase einer groesseren Anzahl Taxis, die auf Benzin warteten. Aus Gruenden die mir nicht ganz klar sind, laesst man hier immer gerne die Motoren laufen. So stand ich fuer zwei einhalb Stunden im Dieselsmog und umringt von etlichen Kindern und Neugierigen, die mehr als einmal durch meine sorgsam aufgestellten Schrauben und Werkzeuge gestolpert sind. Jeder will irgednwo anfassen und staendig gibts Haende die dringend irgendwas halten wollen. Als dann bei groesster Tageshitze neben mir ein Fischlaster zum saeubern wassergestrahlt wurde und sich der widerwaertige Fischgestank in meinen Klanotten festsetzte, haette ich am liebsten alles hingeworfen.

Gebracht hats jedenfalls nix, auch als ich nach diversen Telefonaten mit Mechanikern und Infos aus dem Internet folgend am Nachmittag nochmals, diesmal aber im Hof meines jetzt besseren Hotels, alles auseinandernahm, blieb das Problem bestehen. Heute gibts nochmal diverse Ansaetze, aber ich bin skeptisch, denn ich kann mit meinem gefaehrlichen virtelwissen einfach nicht wirklich weit vordringen. Wenn das Problem tiefer im Motor liegt, bin ich aufgeschmissen, da fehlts an Wissen, Erfahrung und letzlich auch an Werkzeug.

Ich bin aber dennoch guter Dinge. Es ist aergerlich, aber Teil der Reise. Keiner hat gesagt es wuerde einfach werden und wenn ich mich an die Worte in meinem ersten Artikel hier erinnere, dann muss ich schlussfolgern, dass meine Reise wohl jetzt erst beginnt :) . Ansonsten erfahre ich von allen Seiten Hilfe, auch von meinen Mitreisenden. Peter, der nach Mali wieder nach England zurueckfaehrt, hat mir sogar angeboten sein Motorrad zu uebernehmen, aber das laesst sich schon aus unueberwindbaren grenztechnischen Problemen nicht machen. Peter und Geoff, die im uebrigen bereits in Mali sind hatten ihre eigenen Erfahrungen und wurden wegen Verdachts ein Kind ueberfahren zu haben, verhaftet und sassen zweit Tage fest. Die ganze Geschichte ist mir aber noch nicht bekannt.

Pelikane im Hotelhof

Nunja, morgen wird sich auch Mark von mir verabschieden und dem Rest Richtung Mali folgen. Er kann mir ausser moralischem Beistand hier auch nicht mehr weiterhelfen. Ich werde in jedem Fall noch einige Tage hier vor Ort bleiben, bevor ich alle moeglichen Optionen durchdacht bzw. probiert habe. Ziguinchor ist wenigstens kein schlechter Ort fuer eine Panne. Es gibt ein DHL Buero, sogar einen Flughafen und einen Hafen, mit Schiffen direkt nach Dakar. Ausserdem haben wir einen guten Supermarkt hier, mehrere Restaurants und recht viele Touris, mit denen man quatschen kann. Mein Hotel ist sehr schoen, hat eine wunderbare schattige Terasse mit Flussblick und einen riseigen Baum im Hof auf dem etwa 20 Pelikane (sind doch Pelikane oder?) brueten. Sollte ich hier laenger bleiben muessen, werde ich mir allerdings ueber kurz oder lang eine guenstigere Bleibe suchen muessen.

Ich halte euch auf dem Laufenden. sobald es etwas neues gibt.

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