Halbwegs erholt bin ich nach kurzem Zwischenstop in Noukshott und St. Louis zusammen mit Peter und Mark, die ich in Noukshott wieder eingesammelt habe, in Dakar angekommen.
Der Grenzuebergang nach Senegal warf seine Schatten, durch Unterhaltungen mit anderen Reisenden und diversen Internetberichten, voraus. Rosso, die Grenzstadt auf mauretanischer Seite, erzeugt beim Aussprechen bei mir schon leichtes Schaudern. “unbedingt vermeiden”, “schlimmste Grenze in Westafrike”, “alle Wertsachen festhalten”, “Korruption pur”, “Luft anhalten und Ruhe bewahren” usw. waren die ueblichen Aeusserungen. Der Senegal River ist die natuerliche Grenze zwischen den beiden Staaten und man wird auf beiden Seiten von einer grossen Anzahl Betruegern, korrupten Beamten, bettelnden Kindern, aufdringlichen Grenzfuehren und Haendlern umringt. Angewiesen auf die Faehre oder die zahlreichen kleinen Boote zwischen den Ufern, sieht man sich, auf die Uberfahrtgelegenheit wartend, laengerfristig einem schier unertraeglichen Kampf gegen die hautnah stehende Menge ausgeliefert. Jeder versucht hier den Grenzgaenger auszunehmen so weit es nur moeglich ist und man bezahlt utopische Summen fuer jeden Dienstleister auf dem Weg, vom Einweiser auf der Faehre, ueber die Schrankenverantwortlichen bis hin zum Militaer und der Polizei. Wer hier halbwegs schnell durch will, zahlt. Schlimmer noch, haben sich unsere Befuerchtungen verstaerkt, als wir via Email von Geoff, der bereits nach Dakar vorgefahren war, erfahren haben, dass er von einem POLIZISTEN beim Uebergang ausgeraubt worden ist. Dieser forderte mit gezogener Pistole nichts geringeres als das Motorrad. Nach einger Diskussion kam Geoff dann mit 140 abgetretenen Euro (dem gesamten Portemonaieinhalt) weiter.
Aber es gibt eine Alternative, den etwas schwer zu findenden Uebergang in Djema, etwa 100 km weiter westlich, zu erreichen ueber eine Sandpiste durch die Sumpfgebiete. Uns war klar dass wir die Piste finden muessen, koste es was es wolle. Dennoch muss mann zunaechst nach Rosso und ich kann nur sagen der vorauseilende schlechte Ruf hat sich sofort bei Ankunft in Form eines sehr unguten Gefuehls manifestiert. Beim kurzen Tankaufenthalt waren wir bereits von einer ungeduldigen Menge umgeben, alle starrten unsere Motoraeder und Geldboersen an, man versuchte uns einzureden Djema waere nicht erreichbar, die Strasse zu schlecht, oder man wollte uns in die falsche Richtung fuehren (Dank GPS aber keine Chance), oder Versicherungen verkaufen unter der Warnung, dass man das in Djema nicht koenne (Unsinn) und wir die 100km nach Rosso zurueckkommen muessten usw. . Auch Mark der sonst immer seinen Helm absetzt um zu rauchen, liess den Helm auf und mir war klar, dass auch er die negative Stimmung hier wahrnahm. Nunja, ums kurz zu machen, wir haben die Sandpiste gefunden und wurden mit einer wunderschoenen Strasse durch die Sumpf- und Seenlandschaften des Senegal Flusses belohnt. Der Uebergang in Djema war zwar von einigen dubiosen Gelduebergaben gepraegt, verlief aber schnell und recht erholsam. Nach 80, in kleinen Summen an vielen Stellen des Uebergangs, losgewordenen Euro waren wir durch und haette sich Peter nicht irgendwo einen Nagel eingefahren und ploetzlich mit plattem Hinterreifen dagestanden, waeren wir sogar im Hellen in St. Louis angekommen.
Dennoch ist zu sagen, dass sich die Prognose, je weiter man in den Sueden kommt, je groesser wird die Korruption, zu bestaetigen scheint. Auf unserem Weg von Noukshott nach St. Louis haben die ersten Polizisten, bzw. Miliaers nach einem Cadeou (Geschenk) gefragt. Das gabs bisher nur von Kindern. Der letzte Polizeistopp wollte uns erst nach Zahlung von jeweils 1000 Oguyia (etwa 3 Euro) durchlassen, nach 10 minuetiger Diskussion (da ich immer als erster an den Stopps ankomme, krieg ich das immer alles ab) haben sie uns dann aber ohne Zahlung durchgewunken.

Baobab Baum

Baobab Baum

Senegal ist anders. Senegal ist teurer. Senegal ist Musik. Senegal ist Frauen. Senegal ist schwaerzer, vor allem aber Senegal ist gruener. Vor wenigen Tagen noch von Sand umgeben, bin ich nun in ueppiegem Gruen angekommen. Die oben erwaehnte Sandpiste durch den Sumpf war bevoelkert von allerei mir leider unbekannten Voegeln, erkennen konnte ich nur diverse Enten und Schwalben, Reiher und weisse Flamingos. Es gibt Baobab Baeume und andere Palmensorten und die Luft wird schwueler.

Ploetzlich hoert man westafrikanische Musik, nach dem fuer meine Ohren belastenden Billg-Synthie-Midi-Arab-Pop-Muell gibt es Musik die aus dem Bauch kommt, von ganz unten, die in die Beine geht, Rythmus hat. Ich schnappe von einem auf der Strasse aufgestellten Lautsprecher etwas auf und singe es fuer Stunden in meinen Helm. Ich bin froh das nach fast 4 Wochen wieder Musk in mein Leben gekommen ist und freue mich auf hoffentlich viele Neuentdeckungen.

Auf einmal gibt es Frauen, in Mauretanien kommuniziert man fast ausschliesslich mit Maennern. Frauen sind zwar da, aber im Hintergrund und meist verschleiert. Nicht nur gibt es Frauen, sie ziehen sich auch koerperbetont und aufreizend an. Was fuer ein Gegensatz. Wir sind nach wie vor in moslemischen Gebiet, aber die Auslegung ist hier spuerbar lockerer. Alkohol ist ohne Probleme erhaeltlich und Bier zu trinken scheint hier bei der Mehrheit kein Verstoss gegen die Religion darzustellen.

Schnappschuss auf der Fischerinsel in St. Louis

Auf dem Weg durchs Land faellt etwas auf, was ich auch in Mauretanien schon erstaunlich fand. Man faehrt durch aermste Doerfer, teilweise nur aus Strohhuetten bestehend und ohne ersichtlichen technischen Fortschritt, aber eine Errungenschaft praegt auffaellig das Strassenbild – das Handy. Ueberall sitzen die Leute auf der Strasse und tippen auf ihrem Handy oder telefonieren und die Logos der Anbieter praegen unuebersehbar dominant jedes Stadtbild (hier in Senegal ist es “Orange”). In jedem auch noch so kleinen Laden kann man Prepaidkarten erwerben und fliegende Haendler mit solchen Karten gibts an jeder Ecke. Dreiste Kinder fragen nicht nach dem Cadeau sondern direkt nach dem “portable” und das man mit dem Handy neben dem Telefonieren auch aktuelle Musikvideos herunterladen kann ist hier, wie uns in Terjit demonstriert wurde, ebenso wenig ein Geheimnis.

Tief eingerusst vom Diesel der Lasterkaravanen sind wir in Dakar angekommen. Die letzten 30 Kilometer vor der Stadt waren mit gutem Abstand die widerwaertigsten und stinkensten Motorradkilometer bisher. Ein nicht enden wollender Molloch aus Muell, Abgasen, slumaehnlichen Behausungen und dichtem Stau. Die Strassenraender sind voll mit Menschen, die zwischen den Autos hin- und herspringen und irgendentwas verkaufen wollen. Als mir irgendwann, in einer schwarzen Dieselwolke stehend und voellig verschwitzt und erschoepft, ein zahnloser alter Mann orthopaedische Knieschoner verkaufen wollte, wusste ich nicht mehr wie ich darauf noch reagieren soll und hab ihn nur geistesabwesend angestarrt.

Mit dem eigenen Vehikel in Dakar, dem Ziel der groessten Ralley der Welt (zunmindest bis vor kurzem noch), einzufahren, hat schon etwas erhebendes. Aber es kostet viel Kraft. Dakar ist eine heisse, laute, brummende, voellig chaotische und fuer afrikanische Verhaeltnisse recht europaeische Metropole. Als offensichtiler Tourist hat man es nicht leicht seinen Weg durch die Innenstadt zu bahnen. Eigentlich ist man permanent damit beschaeftigt, zu versuchen Leute loszuwerden die einem irgendwas verkaufen wollen, aber ich vermute das wird sich wohl in den kommenden Wochen auf meinem Weg durch Afrika kaum aendern. Ich bin jedenfalls froh wenn wir uns in den kommenden Tagen auf den Weg gen Sueden, nach Casamance, machen werden, um an den schoensten und entlegensten Straenden Senegals bei Raggae etwas zu entspannen, bevor wir unseren Weg nach Mali antreten. Wenn alles gut geht, werde ich mich kurzeitig von der Gruppe trennen, um einen Abstecher zu einem Hilfsprojekt zu machen, aber dazu im naechsten Beitrag mehr.

Bitte entschuldigt meinen etwas schnell zusammengetippten Bericht und vielen Dank fuers bis hierhin gelesen haben.

© 2017 migo travels Suffusion theme by Sayontan Sinha